Die Nordfront

Am Karfreitag würde eine Nordfront mit Winden bis 30 Knoten die Exumas erreichen. Das wussten wir am Dienstag schon. Dennoch hielt ich es für an der Zeit loszufahren. Am meisten war es zu meinem eigenen Leidwesen. An diesem Dienstag zogen regelmässig Regenschauer über uns hinweg. Reto und Dylan segelten praktisch allein, denn ich musste mich regelmässig mit Gwendolyn in der Kabine vor der Nässe verstecken. Im Elizabeth Harbour ging es noch, aber ausserhalb der vorgelagerten Inseln hatten die Wellen genau die Höhe, die ich nicht vertrug. Ich wurde fürchterlich Seekrank in der Kabine, es legte sich kaum, wenn Gwendolyn und ich einmal an Deck sitzen konnten. Gegen Abend blieb das Wetter trocken, weshalb ich mich sosehr erholte, um den Jungs zu helfen in den Rudder Cut zu fahren. Dort warfen wir hinter Rudder Cay den Anker. Weil mit Flut und Ebbe das Wasser durch den Cut (eine Tiefwasserrinne) strömte, drückten Flut und Wind auf unterschiedlichen Richtungen auf das Schiff. Einmal war der Wind stärker, dann wieder die Strömung, weshalb wir die ganze Nacht schaukelten. Reto und ich schliefen kaum, weil wir dem Ankergrund nicht trauten. Entsprechend hart machte uns die gut ausgeschlafene Gwendolyn den folgenden Tag. Zumindest segelte es sich auf der Bankseite der Inselkette wie von selbst und ehe wir uns versahen warfen wir auch schon Anker in Black Point.

Die Crew geniesst das Segeln

Reto ruderte Alianza drei Mal hin und her, bevor ich, das Baby, die ganze Wäsche von vor der Abreise, Ferien in Punta Cana und nach unserer Rückkehr, die Duschsachen und Dylan schliesslich auf dem Pier standen. Sticks, der Kassierer der Rockside Laundry, blinzelte zwei Mal, dann wusste er auch schon, dass die Frau mit dem niedlichen weissen Baby im letzten Sommer den Bauch auf seiner Wiese gesonnt hatte. Nicht nur der Hafen war voller Boote, auch die Wäscherei war voller Segler mit dreckiger Wäsche. Mit sechs von zwölf Waschmaschinen in betrieb kein Problem. Das Problem entstand bei den Trocknern: Nur drei von zwölf funktionierten, mehr schlecht, als recht. Das führte zu einem Stau an den Trocknern, der sich durch den ganzen Tag zog. Zum Glück war ich schon als zweite da gewesen und wurde gegen zwei Uhr am Nachmittag fertig mit der Wäsche! Dylan hatte bis dahin schon die ganze Ortschaft erkundet und eine Dusche genommen. Reto und ich duschten im Anschluss und nacheinander, so konnte Reto Gwendolyn waschen und ich übernahm das trocknen und anziehen. Alle wieder sauber, setzte uns Reto über. Da wir ja wussten, dass starker Wind auf uns zukommt, hängten wir zwei Anker hintereinander und ankerten nahe der Küste zwischen einem Katamaran und einem Segelboot.

Am nächsten Morgen blies der Wind schon ordentlich aus Norden. Zu unserer Verwunderung hatte sich unser Abstand zum Segelboot nicht verändert, während der Katamaran uns beim Drehen des Windes unangenehm Nahe gekommen war. «Das ist ein bisschen Nahe», meinte die Frau auf dem Doppelrumpfboot zwei Mal unterschwellig, bevor ihr Mann explodierte. «Wir waren zuerst hier! Verschwindet! Ich will mehr Kette ausgeben!» Nach Retos Schätzung hatte er mehr als genug Kette draussen, da er solch einen enormen Schwingraum abdeckte. Aber um des Friedens Willen machten sich die diplomatischen Schweizer und ein sehr beschämter amerikanische Hitchhiker daran, bei Wind und Wellen zwei Anker herauf zu wuchten. Glücklicherweise hatten wir niemanden hinter uns und konnten einige Meter zurückdriften bevor Reto die beiden Anker einfach wieder fallen liess. Hätten wir beide komplett hochholen müssen, hätten wir eine gute Stunde sehr gefährlich herummanövrieren müssen, wie Reto der Frau auf dem Katamaran zu erklären versucht hatte. Wir ärgerten uns noch lange über den kleinen Streit, der mit ein paar höflichen Worten und kurzer Diskussion nicht hätte sein müssen. Wieder einmal hätten wir uns dieses Problems gern mit einer Kanone beholfen – zum Glück sind die Dinger zu teuer.

Als der Wind am Ostersonntag zurückging, war der Katamaran verschwunden, ehe wir den Kopf aus der Luke reckten. Kurzerhand wasserten wir das Dinghy. Reto ruderte uns zum nahen, aber im Luv liegenden Strand. Bei Lorraine’s Mutter holten wir Kokosnussbrot. Dann marschierten wir zur Ozeanseite der Insel. Nach kurzer Zeit war das Blow Hole gefunden und wegen des starken Windes der Vortage, blies es regelmässig und kräftig. Die Männer erkundeten die Umgebung, während das Baby und ich es uns gemütlich machten. Bis wir zurückkehrten hatte die Flut den Strand unter Wasser gesetzt und wir wateten durchs Wasser zurück zu Alianza.

Tatendrang

Natürlich hatten wir erst einmal viel zu tun: Einkaufen, dann die Segel aufs Deck hinausschaffen damit wir Platz hatten um die Koffer zu verstauen. Dann musste ein Schlafplatz für Gwendolyn geschaffen werden und ihre Kleider irgendwo verstaut. Wir hängten ihre rosa Hängematte in der Kabine auf. Mit einem weissen Moskitonetz darüber sieht sie nun aus, wie ein schwebendes Himmelbettchen. Ihre Kleider, wie unsere, kamen in Plastikbeutel und wurden in Kästchen und unter Matratzen versorgt. Noch die Werkzeuge für Babybrei in der Galley verstaut und schon konnte ich zwei Reisetaschen in der Segellast deponieren. Bis dahin hatte Reto schon das erste Segel geriggt.

Bei einem Shoppingtrip ins Städtchen trafen wir auf einen jungen Mann, der einen riesigen Rucksack dabei hatte und auf die andere Seite des Hafens, nach Stocking Island wollte. Wir konnten ihn zwar nicht mitnehmen, aber Reto plauderte mit dem Bootstopper bis ich eingekauft hatte. Dylan suchte jemanden der nach Nassau fuhr und ihn vor den 6. April dort absetzten könnte, weil er von dort eine Mitfahrgelegenheit in die Kleinen Antillen hätte. Dafür brauchte er ein Funkgerät, um mit dem Cruisers Net (eine Art Treffen und Informationsaustausch via Funk) teilnehmen zu können. Er schwirrte uns von da an dauernd im Kopf herum. Abends machte Reto eine Ausfahrt mit Alianza zu Chat’n’Chill. Tatsächlich brachte er Dylan mit zurück auf Sea Chantey. Wir assen gemeinsam «Znacht», Dylan spielte seine Gitarre und übernachtete dann auf unserem Deck. Er machte am Folgetag seinen Funkspruch von unserem Gerät aus und half den Rest der Segel zu riggen, während ich mit Gwendolyn und aufräumen voll ausgelastet war. Dann setzte Reto ihn wieder an Volley Ball Beach ab. Wir hatten uns nicht sonderlich an die Quarantäne-Regeln gehalten, aber der Covid-Test den wir am Mittwoch machen mussten, war dennoch negativ.

Dylan und Reto beim Riggen

Nachdem Dylan wieder einige Tage herumgestreunt war, traffen wir ihn wieder. Er hatte leider keine mitfahrgelegenheit gefunden. Aber wir hatten längst beschlossen, ihn mitzunehmen, wenn er das Risiko eingehen wollte, nicht rechtzeitig in Nassau anzukommen. Da wir mit einem Baby reisen, wollten wir vorerst nur Tagestrips segeln. Dylan ging das Risiko ein, daher wollten wir am Samstag das Segeln trainieren. Im Cruisers Net baten wir die anderen Boote im Hafen uns doch bitte zu fotografieren. Also dann los! Motor einschalten um aus dem Hurricane Hole herauszufahren. Reto drehte den Schlüssel und… nichts passierte. Unsere Hauptbatterie hatte über Nacht den Geist aufgegeben. Statt zu segeln, riefen wir das Wassertaxi und ein Strassentaxi um Reto zum Autohändler zu schicken. Wir waren nicht sonderlich guter Hoffnung, da wir eine Lastwagenbatterie für Sea Chantey brauchten. Aber entgegen allen Erwartungen, bekam Reto die einzige Lastwagenbatterie auf der ganzen Insel! Auf dem Heimweg kaufte er in der Apotheke einen Vorrat an Milchpulver für Gwendolyn, den in der Stadt gab es keines. Die Batterie war schnell gewechselt, trotzdem war der Tag vorüber. Wir testeten die Segel am Sonntag bei 25 Knoten Wind. Danach waren wir mehr oder weniger eingespielt und Dylan wusste mehr oder weniger, wo welche Leine hinführte. Wendel, bei dem wir die Mooring im Hurricane Hole gemietet hatten, wies uns eine ausserhalb des Holes zu. Pünktlich zum Sonntagsbraten fanden wir uns bei Chat’n’Chill ein. Am Montag gingen wir mit Sea Chantey ans Dock des Exuma Yachtclubs in Georgetown und proviantierten. Wie üblich liess Reto Eis liefern und füllte Wasser auf, während ich einkaufen ging. Nach einem wunderbaren Mittagessen bei Choppys verabschiedeten wir uns vom Koch Jekyll. Über Nacht gingen wir noch einmal an Wendels Mooring. Er hatte solche Freude an Gwendolyn (die er immer Wendelyn nannte), dass er sogar seine Frau auf einen Schwatz mitbrachte. Mit dem Dinghy und ohne Dylan ruderten wir noch auf einen Schwatz zum Hausboot «Puff». Mark und Margie moderierten ab und an das Cruisers Net und waren von Nova Scotia, weshalb wir uns für in einigen Monaten in Antigonish verabredeten. Und damit waren wir abfahrtbereit.

Fliegen mit Haustieren

Gwendolyn war der Star des Hotels. Vor allem wegen unseres Babys kannten wir in kürzester Zeit einen Grossteil der Urlauber. Die stets gut gelaunte Gabi aus Köln war immer ein Highlight für Gwenny. Sie verbrachte aber auch viel Zeit auf Cathis Schoss, insbesondere damit ihre Eltern auch einmal essen konnten. Zufrieden sass Gwendolyn bei Cathi, strahlte deren Freund Patrick (beide aus Österreich) an und ihre Reisebekanntschaft Mira (aus der Schweiz), von der sie sich kaum je trennten. Auch nicht deutschsprachige Urlauber zog Gwendolyn an wie Honig die Fliegen und auch alle Angestellten schnitten Grimassen für sie. Und für Gwendolyn war es bald selbstverständlich, dass ihr die ganze Welt zu Füsschen lag. Wenn wir uns während der heissen Nachmittagsstunden ins Hotelzimmer zurückzogen, wurde ihr schnell langweilig. Und bald darauf begannen die drückenden Zähnchen zu stören. Und bald darauf hatten wir Geschrei. Entspannung gab es häufig erst, wenn einer von uns armen Eltern mit dem Baby das Zimmer verliess und nach Unterhaltung suchte. Dann konnte der andere arbeiten, Blog schreiben oder sich einmal am Tag entspannen, ehe der andere mit dem gelangweilten Kind zurückkehrte. Was wegen des Durchfalls häufig war. Ich begann bald, allen Leuten davon zu erzählen, um zu erfahren ob wir die einzigen mit rasanter Verdauung waren und von was es kam. Wir bekamen alle möglichen Antworten: Gabi meinte es seien die Eiswürfel – wir Europäer vertragen das dominikanische Wasser nicht. Aber Barbara, die Consierge widerlegte diese Theorie, denn das VIK Cayena Beach Hotel machte die Eiswürfel mit Flaschenwasser. Alice, die nach vierzehn Jahren viel Erfahrung mit den Hotels in Punta Cana hatte, meinte wir sollten uns von den Tomaten fernhalten und nicht zu viele Früchte essen. Dank drei ihrer Imodium-Tabletten wurde zumindest Reto vom Durchfall befreit – und ich verblieb beim Durchfall, weil ich (Dickkopf) prinzipiell keine Symptome sondern nur Ursachen behandle.

Ich hoffte zwar noch immer, dass unser Verdauungsproblem von alleine wieder verschwinden würde, wenn wir uns richtig verhielten. Nachdem wir aber Tomaten, Milch, Eier, Eiswürfel und (leider) allen Alkohol aus unserer Ernährung gestrichen hatten, trat noch immer keine Besserung auf. Unsere Abreise rückte näher und meine Sorge, dass es ohne die passenden Medikamente nicht verschwinden würde, grösser. Zumal wir in den USA keine Zeit für einen Arztbesuch und in den Exumas vermutlich keinen vernünftigen Arzt hatten, begann ich einen Spitalbesuch zu planen. Auch Dr. Victoria Velez, die den Abstrich für unseren Coronatest nahm, riet mir dazu. Am Tag vor unserer Abreise liess ich mich von einem Taxi ins Centro Medico Punta Cana fahren. Allein, denn im Krankenhaus hätten wir uns kaum um Gwendolyn kümmern können, weil wir vermutlich beide Infusion bekommen hätten. Dank des Imodium konnte Reto sich allerdings um Gwenny kümmern und seine Wasserreserven auftanken. Nach einem Telefonat mit meiner Krankenkasse wurde bei mir Temperatur und Blutdruck gemessen, bevor ich ein Becherchen zum vollmachen bekam. Dann wurde ich an den Tropf gehängt. Gluck, gluck, gluck – ich hätte die Flasche nicht so schnell austrinken können wie die Elektrolytlösung in meinem Arm verschwand. Etwa zwei Stunden später war klar, dass Reto und ich einen Parasiten erwischt hatten, der (glaube ich zumindest) Promoeba hysticalis heisst. Der Arzt wollte mich über Nacht behalten um mir Medikament mit den Tropf zu geben, aber da ich zurück zu Mann und Kind wollte, einigten wir uns schliesslich auf eine sehr viel günstigere Tablettenkur. Da ich sowieso 1000 US$ für die Behandlung liegen liess, war mir das doppelt recht. Noch bevor jemand die Nadel aus meinem Arm zog, bekam ich einen Plastiksack voll Tabletten für mich. Aber mein Taxifahrer Leonel brachte mich zu einer Apotheke, wo ich mit meinem Rezept noch einmal Tabletten kaufte. Die Schachteln hatten komplett andere Farben und Namen, aber das kleingedruckte sah fast gleich aus wie bei meinen, also hoffte ich das richtige mitzubringen. Im Hotel musste ich feststellen, dass die Packungsbeilage nur spanisch war. Seither mache ich meinem Lebensgefährten jeden Tag die Tabletten bereit – eigentlich dachte ich, dies erst in zwanzig Jahren tun zu müssen. Bis zum Flug am nächsten Nachmittag zeigte das Zeug Wirkung. Auf dem kurzen Flug nach Miami musste keiner von uns das Flugzeugklo benutzen. Nicht einmal Gwendolyn, sie hatte ihre Stinkbombe schon im Flughafen abgeworfen. In Miami durften wir überall die «Special Assistance» Linie benutzen und durchquerten den Flughafen in Rekordzeit, dennoch kamen wir viel später im Hotel an, als geplant. Dennoch wartete unser Freund David in der Lobby. Ich warf unsere Koffer ins Zimmer und schon begaben wir uns auf den Weg zum nächsten Pub. Wir sassen in der Brauerei bis sie schloss. Sowohl das Früchte- als auch das Kaffeebier blieben uns in Erinnerung. Schliesslich kippten wir ins Bett, hüpften wieder heraus und rasten wieder zum Flughafen. Wie abgemacht wurden wir in Georgetown von Dennis, Ken und dessen Freundin Jeanne abgeholt.

Die transatlantische Odyssey

Ab Mitte August wurde es in den Bahamas bis auf gelegentliche Hurricane-Ausläufer komplett windstill. Es wurde entsprechend noch wärmer: Tagsüber konnten wir mit 38 Grad umgehen, nachts schliefen wir aber bei 34 Grad kaum noch. Reto schwitzte jede Nacht sein Kopfkissen durch und unsere Matratze bekam weisse Linien aus Salz am Rand der alltäglichen Pfütze. Vor dem zu Bett gehen tranken wir jeweils vier Gläser Wasser, nachfüllen wurde aber schon gegen 2 Uhr morgens nötig. Wir hätten gerne auf dem Deck geschlafen, da aber kein Wind wehte, wären wir Opfer der Mücken geworden. Obwohl wir unsere Bedenken gegenüber dem Heimflug und der Lagerung unseres Schiffs hatten, freuten wir uns seit Wochen darauf zurück in die kühle Schweiz zu fliegen. Sea Chantey fuhren wir schon am Dienstag vor dem Abflug an ihre Mooring in der Bucht mit Namen «Hurricane Hole 2». Ich verbrachte die aktiven Stunden zwischen fünf um neun Uhr morgens damit zu packen, die Kabine aufzuräumen und zu putzen, was der Babybauch nicht blockierte. Reto verstaute alles, was nicht niet- und nagelfest ist, unter Deck. Unser Flughafentransport organisierte Wendel, bei dem wir auch die Mooring mieteten. Er wird auch einmal die Woche auf unserem Schiff kontrollieren, ob die Bilgenpumpen funktionieren und ob sonst alles normal ist – was uns sehr beruhigt. Auch unsere Bootsfreunde, mit denen wir in den letzten Monaten enge Freundschaft geschlossen haben, versprachen regelmässig nach Sea Chantey zu sehen und uns über ihren Zustand zu informieren. Am Freitag vor Abflug versammelten sich die drei alten Segler (oder besser Bootsbewohner) mit uns in Choppy’s Bar. Zu unserem Abschied hatten wir uns vom Barkeeper Jekyll ein kleines Festmahl kochen lassen. Er verwöhnte uns mit vier Gängen wie aus dem 5-Sterne-Restaurant und Übertraf alle Erwartungen. Da wir danach kein Abendessen mehr brauchten, konnten wir am Samstagmorgen die letzten Bananen vertilgen und Sea Chantey von allen frischen Lebensmitteln befreit zurücklassen.

Die Zurückgebliebenen – David, Dennis und Ken

Dann am Samstag, 26.10.20 war es soweit: Wendel kam uns mit seinem Boot abholen, verfrachtete uns samt einer Reisetasche und zwei Rucksäcken in die Ortschaft und übergab uns einem Taxifahrer. Nach einer halben Stunde Fahrt über eine Strasse voller Schlaglöcher erreichten wir ein Gebäude von der Fläche eines Zwei-Familien-Hauses. Wir machten ein Foto vor dem kleinsten Internationalen Flughafen und checkten an einem von vier Check-in und Baggage Drop-off Schaltern ein. Nach einem Mittagessen «to go» im Restaurant gegenüber gingen wir durch die Sicherheitsschleuse, wo wir nicht Schlange stehen mussten, in die Wartehalle. Zirka fünfzig leere Stühle warteten mit uns und zwei Kiosk-Verkäufern auf weitere Fluggäste. Bis zur Ankunft des Flugzeugs hatten sich knapp zwanzig Personen eingefunden. Die kleine Propeller-getriebene Saab B340-A wurde damit nicht einmal zur Hälfte befüllt. Wir verliessen George Town an einem sonnigen Nachmittag mit blauem Himmel und Wattewolken. Zwei Stunden später erreichten wir ein trübes, graues, verregnetes Fort Lauderdale eine halbe Stunde nördlich von Miami, Florida. Wegen einem WC-Stopp bekamen die anderen Fluggäste etwas Vorsprung, weshalb wir eine vollkommen leere Empfangshalle durchquerten und NICHT vor der elektronischen Passkontrolle anstehen mussten. Der Zöllner am Zollschalter schien richtig erleichtert zu sein einmal wieder ein lebendes Wesen zu Gesicht zu bekommen. Und schon wenige Minuten später standen wir vor dem Flughafen und bestellten einen Uber.

Niedlich so eine Saab B340

Weil die Flüge samstags viel teurer sind als an anderen Tagen, hatte ich ein Hotelübernachtung gebucht, was uns mit Berücksichtigung des Zimmers und zwei Mahlzeiten einige 100 Franken günstiger kam. Da die Restaurants in Florida nur Essen zum Mitnehmen anbieten dürfen, mussten wir auch im Restaurant des Clarion Inn&Suits unser Abendessen bestellen. Per Telefon wurden wir informiert sobald es fertig war und es dann auf dem Zimmer essen. Den grossen Schreibtisch des Zimmers verfrachteten wir vor das Sofa und platzierten den Bürostuhl gegenüber, womit wir unseren Hackbraten relativ bequem mit dem Plastikbesteck essen konnten. Ebenso funktionierte das Frühstück: Statt eines Büffets wurden wir bedient und nahmen unsere abgepackten Waffeln, Doughnuts und Knuspermüesli mit aufs Zimmer. Das Volumen der Verpackungen war enorm, während zwei Mahlzeiten produzierten wir einen Wäschekorb voll Abfall. Obwohl unser Flug erst am Abend abflog, checkten wir gegen Mittag aus und liessen uns vom Hotel Shuttle an den Miami International fahren. Der Flughafen war gähnend leer, nur an den zwei geöffneten Imbissbuden waren ab und zu ein paar Leute zu sehen. Wir verpflegten uns, schlugen einige Stunden tot und fanden schliesslich den Check-in und Baggage Drop-off der TAP. Auch auf der anderen Seite der Handgepäckkontrolle hielten sich die Menschenmassen in Grenzen. Erst in den Wartebereichen vor den Gates sammelten sich die Menschen ein wenig. Auch im Duty-Free-Bereich waren alle Läden geschlossen. Das Boarding dauerte noch länger als gewöhnlich, aber schliesslich sassen wir in einem fast normal gefüllten Flugzeug auf unseren Plätzen. Ausser den Masken und dem Desinfektionsmittel unterschied sich die Flugreise kaum von sonst. Wir hoben pünktlich ab. Reto und ich begannen schon zu hoffen, dass unsere Heimreise vollkommen reibungslos verlaufen würde, aber anderthalb Stunden nach dem Start trat «Das Gesetz der grössten Schweinerei» in Kraft. Der Pilot machte mitten über dem Bermuda-Dreieck bekannt, dass wir aus Sicherheitsgründen nach Miami zurückfliegen mussten. Die Passagiere wurden unruhig, die Gerüchteküche brodelte bis das Flugpersonal schliesslich die Gründe klarstellte: Wir hatten einen aggressiven Passagier an Bord, den die Cabin Crew nicht mit Sicherheit unter Kontrolle halten konnte. Der Mann war offenbar gestört oder berauscht, denn er hatte einen Steward tätlich angegriffen und Fluggäste bedroht. Sobald wir wieder auf dem Flughafen standen, wurde der Mann von zwei Flughafen- und zwei normalen Polizisten abgeholt. Da sein Platz ganz hinten in der Mitte gewesen war, entstanden mindestens zwanzig Videoclips wie der Mann in Handschellen durch das ganze Flugzeug abgeführt wurde. Eine weitere halbe Stunde lang wurde der Airbus 320neo neu betankt, eine Stunde später war den Flugplan angepasst und wir konnten wieder starten. Da wir mit fünf Stunden Verspätung in Lissabon ankommen würden, hatten wir unseren Weiterflug nach Zürich natürlich verpasst. Aber die portugiesische Fluggesellschaft flog täglich zwei Flüge nach Zürich, weshalb wir auf den Nachmittagsflug umgebucht wurden. Noch vor der Passkontrolle übergab uns das TAP-Bodenpersonal die neuen Boardingpässe. Statt am Montagnachmittag, 28.10. um 13:00 Uhr kamen wir um 19:00 Uhr in Zürich an. Keine fünf Minuten später standen wir mit unserem Gepäck vor dem Flughafen. Bis mein Bruder uns abholen kam, hatten wir die Pullover und Jacken ausgepackt, froren aber ordentlich.

  • Gesamte Reisezeit von Sea Chantey bis Arrival Pick Up in Zürich: 55 Stunden
  • Gesamte Flugzeit, bzw. im Flugzeug verbrachte Zeit: 18 Stunden
  • Gesamte Verspätung (Rückflug und Umbuchung): 6 Stunden

Retos Eltern hatten glücklicherweise schon den Kühlschrank gefüllt und auch mein Bruder brachte Spezialitäten vom Achenberg mit. Nach einem Jahr das erste Cordon Bleu essen zu können, war ein Erlebnis! Anschliessend kurierten wir zwei Tage lang unseren Jet Lack aus und sassen unsere Quarantäne in Retos Wohnung ab. Auf einige Luxusgegenstände lernt man auf einem antiken Holzboot zu verzichten. Man gewöhnt sich daran keine Dusche zu haben, alle drei oder vier Wochen Kleider in einer Wäscherei zu waschen wird normal und verderbliche Lebensmittel kauft man nur noch für den gleichen Abend. Abwaschen steht nach jeder Mahlzeit an, weshalb ich den Geschirrspühler von allen Geräten am meisten vermisste. Ausgerechnet der hat während unserer Abwesenheit den Geist aufgegeben – grundlos kaputt – weshalb ich auch zu Hause von Hand abwasche!

Seattle-gray mit Profilierung

Da wir uns in absehbarer Zeit nicht weiter von unserem sicheren Hurricane Hole entfernen wollten, verzichteten wir darauf, die Segel wieder zu riggen. Verpackt in ihren Säcken sind sie auch vor der Sonne bestens geschützt, bis die Hurricane Saison vorbei ist. Statt in der Gegend umher zu segeln, suchten wir uns einen gemütlichen Ankerplatz in der Nähe des Restaurantstrandes. So braucht Reto nicht allzu weit zu rudern, wenn wir uns zum Pot Luck oder zum Bobing (in knietiefem Wasser sitzen und plaudern) am Strand treffen. Selbstverständlich wären Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen verboten, um die Ansteckungsgefahr für Corona zu verkleinern, aber hier trafen sich A: immer die gleichen Leute und B: interessierte es niemanden, da wir ja alleine auf der Landzunge von Stocking Island waren. Reto schliff und lackierte quadratmeterweise, wenn er nicht gerade von einem Buch gefesselt wurde. Nachdem wir David von seiner Lesestoffknappheit erzählt hatten, hatte dieser ihm einen hüfthohen Stapel Bücher zur Verfügung gestellt, durch die sich Reto nun durcharbeitet. Die ersten 25 cm haben wir bereits zurückgegeben. Ausserdem befasste sich Reto mit grösseren Projekten. Um die komplette Steuerbordwand aussen zu streichen, befüllten wir nur einen der beiden 100-Gallonen-Tanks mit Frischwasser, weshalb Sea Chantey um einige Grad schief zu liegen kam. Wir ankerten in einer fast wellenlosen Bucht und vom Beiboot aus, strich Reto die Bordwand seattle-grau über seattle-grau.

Traurigerweise mussten wir einen kleinen Teil der Bordwand schon am Tag später erneut bearbeiten: Nämlich bat uns am folgenden Tag ein Mann in einem kleinen Motorboot doch den Ankerplatz zu wechseln, weil wir zu nahe an einem Mooringfeld lagen. Freundlich wie wir sind starteten wir den Motor und Reto zog den Anker hoch. Was wir dieses Mal – beide – nicht getan hatten, war Alianzas Seil zu kontrollieren, mit dem sie hinten an Sea Chantey angebunden war. Es liegt immer doppelt, von Alianza zu ihrem Anbindepunkt an Sea Chantey und zurück zu dem kleinen Faltanker, der in Alianza drin liegt. Leider befand sich das Sail zwischen Sea Chantey und Anker komplett im Wasser und hing lose. Sobald der Anker oben war, trieben wir nach hinten und das Beiboot stiess gegen das Heck. Damit wir nicht abtrieben, legte ich den Gang ein, der Propeller drehte sich und Alianzas Seil wickelte sich um die Propellerflügel. Das Seil am Dinghyanker wickelte sich auf, zog den Anker schwungvoll aus dem Dinghy, ertränkte Alianza fast und der Anker zog eine 5 mm tiefe Kerbe in die frisch gestrichene Bordwand. Panisch schaltete ich den Gang in neutral, damit der Propeller nicht mehr drehte, während Reto vom Bug aus nur «Abschalten! Abschalten!» befehlen konnte. Sobald der Motor aus war, warf er den Anker wieder über Bord und sprang ins Wasser. Er wickelte das Seil aus dem Propeller, kontrollierte Alianza, fluchte wie ein Rohrspatz – aber der Kratzer in der Bordwand war glücklicherweise der einzige Schaden. Auch Propeller und Welle überstanden meinen Anfängerfehler schadlos. Aber wie leid es mir um die frischgestrichene Bordwand tat, lässt sich nicht beschreiben. Wir füllten den Kratzer mit Holzspachtelmasse aus und streichen ihn erneut, wenn die Backbordseite sowieso drankommt, was gute zwei Wochen bereits von der List abgehakt wurde.

Laura

…ist ebenso wenig der Name unseres Kindes wie Isaias. Aber, dass uns eine Freundin zu dem wunderschönen Namen gratulierte, den unser Junge bekommen würde, war einen Lacher gut. Sowohl Geschlecht als auch den Namen unseres Kindes verrate ich erst nach der Geburt im November.

Manchmal bereue ich, dass ich den Titel «Stürmischi Ziite» schon verwendet habe, aber es war schliesslich nicht unser Plan während der Hurricane-Saison in einem Gebiet zu verweilen, wo die Stürme alle zwei Wochen ihre Auswirkungen zeigen. Nachdem der frühste Hurricane seit zehn Jahren Anfang August über Loch Drei hinwegfegte und Josephine vorbeizog, beobachteten wir nun ein Wettersystem, welches später Laura wurde und New Orleans verwüstete. Reto hatte uns bei den ersten Anzeichen wieder in Loch Drei angemeldet, wo wir bei High Tide hineinfuhren. Sicherheitshalber demontierten wir auch dieses Mal alle Segel, obgleich wir die einzigen Bootsbesitzer sind, die sich die Mühe machen. Aber in Anbetracht dessen, dass ein Satz neue Segel uns 20’000 Franken kosten wird, sobald wir ihn brauchen, schützen wir lieber diese noch ein bisschen, die wir haben. Sobald wir fertig vorbereitet waren, entschied Laura über Kuba hinwegzuziehen und ein wenig schwächer zu werden. Dementsprechend hatten wir nur eine stürmische Nacht mit starkem Regen – nicht zu vergleichen mit dem Tosen von Isaias! Unsere Boot-Nachbarschaft und wir fühlten uns alle etwas betroffen, als klar wurde, dass Laura sich im Golf von Mexico zu einem mittleren Hurricane entwickelte und Louisiana überflutete. «Diesbezüglich muss man wohl selbstsüchtig sein und sich damit zufriedengeben, dass man selbst nicht getroffen wurde», meinte David seufzend am Tag bevor Laura auf die Küste traf.

Abwarten und Tee trinken

Nach unserem ersten Hurricane in der Hochsaison, Stufe 1, und einem Tag Schlaf, hatten wir aufzuräumen. Während eines Tages riggten wir drei von vier Segeln und stellten den einzigen Sturmschaden fest. Die «Wang», mit der der Winkel der Gaffelgabel am oberem Eck des Grosssegels getrimmt wird, hatte ihre Ummantelung durchgeschabt. Da diese Leine aber aus einem Mantel und einem Kern besteht, befand sie sich noch in ihren Blöcken und Reto konnte sie behelfsmässig flicken. Unterbrochen wurden wir nur von den anderen Cruisers, die den Hurricane abgeritten hatten. Einige von ihnen fuhren mit ihren motorisierten Schlauchbooten von bewohntem Boot zu bewohntem Boot, um zu fragen, wer den Sturm wie gut überstanden hatte und verbreiteten das Befinden der Bootsbesitzer weiter, die zu Hause blieben. David, unser neuer Freund aus England, hatte es sich zur Aufgabe gemacht alle Boote zu fotografieren und die Besitzer via Facebookgruppe über deren Zustand zu informieren. Er selbst hatte Glück gehabt. Ein grosser Katamaran an der Boje im Luv von ihm hatte sich beim Sturm losgerissen und seine Wild Beast nur um einen knappen Meter verfehlt. Der Katamaran Gryphon dagegen wurde auf die Felsen gespült und sass nun fest. Ansonsten hatten die anwesenden Bootsbesitzer keine Schäden zu verbuchen. Sobald das Vorsegel endlich auch von der zweiten Seite mit einem Flicken bestickt war und wir dieses geriggt hatten, verlegten wir uns an einen Ankerplatz gleich vor dem Strand des geschlossenen Chant’n’Chill Bar’n’Grill.

Sobald der Hurricane zwischen Nassau und Andros Island durchgezogen war und auf die USA zuhielt, hatte der Präsident wieder Lockdown über seine Nation verhängt. Alle Restaurants sind wieder geschlossen, die Lebensmittelläden und Hardware Stores sind nur an bestimmten Tagen geöffnet. Auch das reisen zwischen den Inseln ist teilweise untersagt, doch wir wissen ohnehin nicht, wo wir hinsegeln wollten. Käme ein weiterer Sturm, was während August und September zu erwarten ist, wären wir in Loch Drei am sichersten, weshalb weiterfahren keinen Sinn macht. So genossen wir die Gesellschaft der anderen Cruisers und viel Freizeit. Da der Privatstrand des Restaurants verlassen war, trafen wir uns regelmässig auf ein Getränk oder sogar ein sogenanntes Pot Luck, an dem jeder ein Gericht mitbringt, dass alle teilen. Auch bekommt man so Pläne und Anekdoten der meist längst pensionierten Cruiser zu hören. Carol und George wollten sich mit dem Charterflugzeug ausfliegen lassen, weil es ihnen auf dem Boot zu warm wurde. Jeanne und Gordon fuhren schliesslich mitsamt ihrem Boot zurück in die USA, während Ken, Bob, Dennis und David einfach hierbleiben würden. Und wir? Wir haben keine Pläne mehr. Nachdem Carol und George sich hatten ausfliegen lassen, verschoben sich die Treffen der Cruisers nach und nach in unser Cockpit. Erst hatten wir David immer regelmässiger zu Tee und manchmal Kuchen zu besuch, später wurde die Gruppe grösser und die Getränke reichten von Tee bis zu mitgebrachten Cocktails. Der Abend als Kassandra und Jeff neu zu uns stiessen, entwickelte sich zur echten Cocktail Party.

Uns war einige Tage nach dem Hurricane das Wasser in den Tanks ausgegangen, daher hatten wir auch einen Ausflug samt Sea Chantey in die Stadt gemacht. Am einzigen Dock des Exuma Yacht Club bekamen wir Wasser zu einem ganz vernünftigen Preis. Auch konnten nach fast vier Wochen erstmal wieder eine Dusche benutzen, keine besonders schöne oder saubere Dusche, aber sie hatte Licht und es kam Wasser, wenn man den Hahn aufdrehte, was in den Bahamas nicht bei allen Duschen der Fall ist. Seither liegen wir vor Anker und fahren bei jemandem mit, falls wir einmal in die Stadt müssen. Auch fanden wir in unserem bootseigenen Ersatzteillager tatsächlich eine Leine mit der wir die Wang ersetzten konnten. Der Babybauch passte erstaunlich gut in die Riemen des Bootsmannsstuhls, der einen erstaunlich bequemen Sitzplatz bot, was inzwischen an Bord schwierig zu finden ist. Am Besanfall zog Reto mich samt Nachwuchs zum Mastspitz, wo ich hin- und herschaukelnd die Wang ersetzte. Nun fehlt uns nur noch eine Gelegenheit mit WiFi, um unsere Heimreise in Planung zu nehmen.

Isaias

Am Montag, 27. Juli kamen wir wieder in Georgetown an. Hier hatten wir zunächst zwei Prioritäten: Einkaufen und Vorbereitung auf den anrückenden Sturm. Wir ankerten nahe der Bucht mit den angrenzenden Blue Holes, die als Hurricane Hole bekannt waren und ich wurde mit dem um eine ganze Stunde verspäteten Wassertaxi in die «Stadt» geschickt. Die Einkaufsliste: Bargeld, Schäkel und Fender aus dem Hardware Store, frische Lebensmittel für den Vitaminhaushalt, Eis. Die Bankomaten bei der ersten Bank waren längst leer, erst bei der zweiten liess sich Notfallgeld beschaffen. Auch im Hardware Store mit dem vielversprechenden Namen «Top 2 Bottom» fand ich nur die Hälfte, besonders auf den Ersatz unseres luftlosen Fenders musste ich verzichten. Trotz des Drangs, sich gut vorzubereiten, musste ich sparsam einkaufen, denn mehr als zwei Säcke Lebensmittel und zwanzig Pfund Eis kann ich alleine nicht tragen. Als ich endlich am Pier das Wassertaxi bestieg, war ich so hinüber, dass ich mich über die Nektarinen hermachte, bis endlich der Taxichauffeur auftauchte. Tatsächlich überlebte der Grossteil der Eiswürfel die Überfahrt zu Sea Chantey, wo Reto schon dabei war, die Segel von ihren Bäumen zu lösen. Er war sehr erfolgreich gewesen, denn nach zwei Anläufen hatte er es geschafft auf Stocking Island eine Mooring zu mieten. Wir würden unser Boot im sogenannten Loch Drei hinter rundumliegenden Hügelkuppen verstecken können, die uns vor grossen Wellen schützen und vor den stärksten Sturmböen abschirmen würden. Die Einfahrt war dafür nicht einfach, da die natürliche Einfahrtsstelle zwischen Loch Null (das nur im Osten Hügel aufweist und im Westen zur Bucht hin offen ist) und Loch Zwei (nördlich von Loch Null) so seicht ist, dass wir nur bei Flut hindurchkommen. Kaum eine Stunde nach meiner Rückkehr stand ich auf dem Bugspriet und dirigierte uns zwischen dem garstigen Felsen und einer Sandbank hindurch. Die Einfahrt in Loch Drei, das nördlichste der vier Blue Holes, welches mit den höchsten Hügeln umgeben ist, war dafür ein Klacks. Mit unseren dicksten Leinen vertäuten wir uns an einer Mooring, umgeben von fünfzehn anderen Schiffen jeder Grösse. Dann demontierten wir zunächst alle Segel, holten alle Flaggen ein und liessen alles unter Deck verschwinden, was nicht niet- und nagelfest ist. Ausserdem ketteten wir unsere schwersten Anker aneinander, damit wir diese mit Fall, dass die Mooring sich löste, fallenlassen könnten. Auch am Folgetag taten wir, was uns einfiel: Wir umwickelten die Leinen mit Tuch um sie vor durchschaben zu schützen, klebten die Solarpanels mit Tuck Tape ans Kabinendach und Reto überprüfte bei einem Tauchgang die Mooring. Er fand dabei eine zweite Schlaufe, durch welche wir anschliessend die dicken Leinen führten, weil es uns besser erschien. Dabei half uns Bob, selbst seinen Katamaran durch den Sturm bringen musste. Ken, den wir am Vortag kennengelernt hatten, brachte uns aus der Stadt noch einmal zwei Säcke Eis. Auch die übrigen, wenigen Cruisers, die den Sturm hier verbringen würden lernten wir bei einem Ausflug an den Strand kennen. Alle versuchten sich nicht zu viele Sorgen und Gedanken zu dem Sturm zu machen, der derweil über die Dominikanische Republik zog. Wir waren sicher, getan zu haben, was wir konnten um unsere Boote und uns zu beschützen – nun mussten wir warten.

Windig aber traumhaft schön – wer würde denken dass nachts ein Hurricane vorbeifegt?
Hole 3

Am Morgen des 31. Juli hatte der Tropische Sturm nicht nur einen Kurs weiter nördlich eingeschlagen, sondern auch ein Auge ausgebildet. Damit war er nun zum Hurricane herangewachsen und hatte den Namen Isaias bekommen. Leider würde er Nahe an uns vorbeiziehen, aber wir konnten nicht mehr tun als zu warten. Mit Büchern, Musik und Blogbeiträgen lenkten wir uns von dem kommenden, wüstesten Wetter ab, dass wir je erlebt hatten. Vormittags war es sonnig, Wolkenfronten zogen über uns hinweg, aber das Wetter hätte niemals einen Hurricane erwarten lassen. Erst nach dem Mittag zog eine dunkle Wolkendecke auf, die mit erstaunlicher Geschwindigkeit über uns hinweg zog, aber kein Ende mehr nahm. Wir checkten regelmässig die Position des Sturms aus – Reto hatte dafür extra ein zusätzliches Datenpaket bei Swisscom erstanden – und sahen Isaias zu, wie er nördlich von Kuba seinen Kurs anpasste, um uns sicher zu erwischen. Wir schluckten jeweils leer: Wenn der Sturm vorbeizog, würden wir zwar starke Winde haben, aber nur aus drei Himmelsrichtungen, durch die er langsam drehte. Mussten wir durch das Auge, würden wir erst Winde aus Westen haben, dann die Windstille im Auge des TSurm aussitzen und sehr abrupt an den Ostwinden um unsere Mooringboje schwingen, was sehr viel Materialbelastender ist, als wenn das Auge vorbeizieht. Dies ist der Moment, wenn Mooringsteine oder Klampen ausreissen, Leinen lassen oder Masten brechen. Während des Nachmittags nahm der Wind an Stärke zu, drückte uns an der Mooring hin und her und warf 30 cm hohe Wellen in der fast geschlossenen Bucht auf, die Loch Drei genannt wird. Loch Drei ist nur 250 m lang und 150 m breit. Ein Fuss hohe Wellen aufzuwerfen bedeutete 35 Knoten Wind zu «geniessen». Bis es nach sieben Uhr einzudunkeln begann, schaukelten uns fast zwei Fuss hohe Wellen. Dann sahen wir nichts mehr: Kein Mondlicht drang durch die Wolken, kein Licht von irgendwoher vermochten wir auszumachen. Der Sturm heulte laut und wir spürten seine enorme Kraft gegen die Kabinenwände drücken. Sea Chantey bewegte den Bug hoch und hinunter, wie auf dem offenen Meer. Es war unheimlich, aber mich persönlich ängstigte es nicht mehr als der letzte Sturm, den wir vor Conception Island abgewettert hatten. Dennoch konnten wir nicht mehr lesen. Stumm hörten wir Isaias heulen, spürten Sea Chanteys Bewegungen, schätzen die Wellenhöhe und sahen der natürlich nicht brennenden Petrollampe beim schwingen zu. Erst gegen morgens um zwei Uhr schien das heulen abzunehmen und ich versuchte zu schlafen, aber ebenso wie Reto lag ich noch stundenlang wach.

Unser Nachbarschiff Sirocco. Während Isaias tobte, schaukelte sie fast einen Meter hoch und runter.

Als ich schliesslich gegen Mittag wieder aufwachte, schien die Sonne und kein Lüftlein wehte, als wäre nie etwas gewesen. Wir stellten auf den ersten Blick auch keine Schäden fest, daher legten wir uns trotz der Hitze wieder aufs Ohr und verschliefen den Nationalfeiertag. Nicht einmal die Landesflagge setzten wir wieder am Besanmast.

Flicken ohne Ende

Zunächst musste natürlich das Backstag repariert werden. Nach einem Tag voller Gewitterstürme, folgte ein sonniger Tag in der Bucht einer tropischen Insel. Das Backstag hatte seine Holzschrauben aus der Stirnseite seines Spants gerissen und hing nur noch an drei Mal zwei Gewindegängen. Eine Schraube hatte ein sauberes rundes Loch aus der Planke gerissen, weil diese nicht im Spant steckte. Um sie zu ersetzten mussten wir von der Schiffsinnenseite daran herankommen, was uns vor einige Probleme stellte. Leider war das Schraubenloch nicht von der Kabine erreichbar, sondern nur von dem Stauraum unter dem Deck. Durch eine kleine Luke musste sich einer von uns in diesen geschlossenen Raum zwängen, den Heisswassertank lösen und zur Seite schieben und sich schliesslich zwischen die Isolation der Eisbox und der Bordwand einnisten um von dort die Mutter auf die Schraube zu drehen. Ich, die Kleinere mit den schmalen Händen, wäre prädestiniert für den Auftrag gewesen, aber meine Nerven waren vom Vortag noch so strapaziert, dass ich beim losschrauben des Heisswassertank schon Platzangst bekam. Warum ich – für mich untypisch – momentan solch schwache Nerven habe, erkläre ich jenen im folgenden Beitrag, die es noch nicht wissen. Reto musste also seine breiten Schultern zwischen den «Boiler» und die Eisbox zwängen, wofür ich mich nicht wenig schämte. Reto mischte Epoxid zum Abdichten an und wir schraubten die Ankerplatte des Backstags mit langen Holzschrauben wieder in den Spant. Dann kroch Reto mit Mutter und Unterlagscheibe in Sea Chanteys Tiefen hinab. «Du musst mich dann halt freisägen, falls ich stecken bleibe», rächte er sich dafür bei mir. Dummerweise kam er mit den Fingern fast nicht zwischen die Schiffskonstruktion und während uns das Epoxid wegtrocknete, mussten wir kreativ werden. Was mit den Händen nicht klappte, klappte vielleicht mit einem Werkzeug? Reto schlug Mutter, Spannscheibe und Unterlagscheibe in ein Stück Holz, aber die Scheibe verlor er auf dem Weg in die Tiefe, weshalb ich sie mit ein bisschen Honig auf das Holzstück klebte. Dennoch liess sich die Schraube nicht ansetzten, weil die Holzplatte sich kaum positionieren liess. So hatte ich das Holz zurecht zu sägen, während Reto hinter der Eisbox verblieb. Damit fanden wir doch zumindest heraus, dass die Schraube zu nahe an der Spante platziert war, um die Scheibe darüberzustülpen. Daher reckte er sich und hielt mühsam die Mutter mit einem Finger auf das Schraubenende, während ich von oben die Schraube drehte. Nach drei Versuchen und aufgebrachtem Fluchen von unter den Planken griff die Schraube endlich! Nun konnte Reto die Mutter mit einer Zange halten bis ich die Schraube festgedreht hatte. Ich übernahm das Aufräumen, nachdem Reto mit einem Getränk versorgt war.

Werkzeug
Corpus delicti

Sobald 24 Stunden später das Epoxid trocken war, brachen wir auf. Wir waren noch mürbe von den Gewitterfronten und probierten mehr Wind und Wellen aus, als dass wir wirklich den Tripp nach Rum Cay durchziehen wollten. Wegen des starken Seegangs, der Sea Chantey wieder und wieder bremste, errechneten wir eine Ankunft mitten in der Nacht. Wegen den Riffen, die sich rund um die meisten bahamischen Inseln ziehen, wollten wir lieber bei Tageslicht ankommen. Gegen vier Uhr wendeten wir, machten es uns hinter Conception Island gemütlich und machten einen Ausflug an Land. Zumal wir den Ankerplatz mit dem grossen, wie ein Dampfschiff aussehenden Tauchtourboot teilten, welches Georgetown mit uns verlassen hatte, hatten wir auch jemanden für ein wenig Smalltalk. Mit den Leuten von den Charterjachten, die täglich ihre Liegestühle am Strand aufstellten, sprachen wir nicht. Am Folgetag machten wir uns früh auf den Weg, um es sicher bis Rum Cay zu schaffen, aber irgendetwas verwehrte uns die Überfahrt. Die Wellen, die Strömung und der Wind waren gegen uns. Als wir den Flieger austrimmen wollten, um noch einen halben Knoten Geschwindigkeit herauszuholen, riss sich dessen Trimmring von den Wanten los. Wir wendeten umgehend, um die Belastung auf die andere Bordseite zu bringen, aber auch dort Schlug der Flieger so stark im Wind umher, dass auch dieser Trimmring abriss, bevor wir das Segel festmachen konnten. Stattdessen holten wir es ein. Ausserdem entdeckte ich einen kleinen Riss im Focksegel. Mit Wind, Wellen und Strom lagen wir in kürzester Zeit wieder im Westen von Conception Island am Anker und befestigten die Trimmringe wieder. Als romantische Seeleute erlauben wir uns gelegentlich etwas Aberglauben: Sea Chantey wollte nicht, dass wir uns nach Südosten bewegen – warum, erfuhren wir erst später. Um den Riss, beziehungsweise ein 10 cm und zwei 3 cm lange Risse im Fock zu nähen und mit einem Flicken zu versehen, brauchte ich einen ganzen Tag. Segeltuch, bei uns sogenanntes Dakron, ist sehr dicht, zäh zu durchstechen und knickresistent, weshalb das Nähen selbst mit dem Segelmacherhandschuh eine Herausforderung war. Ein Segelmacher hätte auch von der anderen Seite einen Flicken aufgenäht, aber es war schon abends und Reto musste gefüttert werden.

Der Himmel war trübe am nächsten Morgen, weshalb ich das Segel lieber verpackt lassen und den zweiten Flicken später aufnähen wollte. Wir überlegten uns noch, ob wir einen zweiten Anker ausbringen wollten, wir hörten aber nicht auf unser Gefühl. Der Wind nahm zu und es begann zu Katzen und Hunde zu regnen. Wir sassen in der brütenden Wärme der Kabine und lasen, während sich um uns herum ein Gewitter in einen Sturm verwandelte. Sea Chantey begann immer heftiger zu wippen, wurde dabei nach links und rechts geschleudert, das abbremsen der Schläge immer heftiger und lauter. Irgendwann knarzte es derartig, dass Reto aufsprang und an Deck kletterte, ich hinterher. Die Ankerkette verläuft bei Sea Chantey zwischen der Verstagung des Bugspriets hinunter, weshalb bei grossen Bewegungen nach links und rechts die Ankerkette an den Stagen ansteht und belastet. Wir entschärfen das Problem indem wir ein Seil um die Kette legen und diese nahe an den Bug ziehen, bei den Sturmwinden war es aber nicht genug gewesen. Die Kette schlug gegen die Stagen bis alle lose und zwei abgerissen waren. Wir sahen nur eine Möglichkeit das Problem zu verkleinern: Die Kette aus ihrer Rolle aushängen und direkt vom Deck nach unten ziehen lassen, damit sie weiter hinten angreift. Reto startete den Motor und schob unser Boot nach vorne, um die Kette zu entlasten, aber ich war nicht stark genug um sie auszuhängen – Platzwechsel! Reto hängte die Kette aus. Gerade rechtzeitig bevor der Wind über Süd nach Westen drehte! Die Insel bot uns nun keinen Windschatten mehr, da wir nahe am Land geankert hatten, wurde sie uns sogar gefährlich. Falls der Anker aus dem Boden ausriss, würden wir auf den Strand treiben. Reto bat mich um seine Ölzeugjacke und seinen Hut, bevor er sich in Wind und Regen ans Steuer setzte. Mich schickte er in die Kabine, um auf dem Tablet unsere Position zu beobachten. Falls wir den Anker zogen, würde er mit der Maschine das abtreiben verhindern. Da wir keinen Windschutz mehr genossen, rollten immer grössere Wellen aus Westen auf uns zu. Mehr Ankerkette ausgeben konnten wir nicht, weil die Kette unter enormer Belastung stand, die sie uns beim Ausgeben aus den Händen gerissen hätte. Schliesslich lockerten die nun einen Meter hohen Wellen den Anker und Reto musste gegen die Wellen anfahren. Während gefühlten zwei Stunden gab er immer wieder in einer Böe Gas und kuppelte aus, wenn der Wind kurz abflaute. Schliesslich drehte der Wind endlich wieder auf Ost – ein sicheres Zeichen, dass das Tief vorbeigezogen war und der Sturm sich legte. Unser Anker hielt wieder. Jedoch war nun klar, dass wir unsere Reise nach Rum Cay abbrechen mussten. Ohne vernünftigen Wetterbericht konnten wir uns zu dieser Jahreszeit nicht weiter von der Zivilisation entfernen.

Eine Cumuluswolke – wenn sowas kommt, wappnen wir uns für viel Wind, starke Böen und Regen.

Glücklicherweise hatten wir fast alle benötigten Kleinteile. Während des Vormittags reparierten wir die Bugsprietverstagung zu voller Einsatzfähigkeit. Kuhmäuler und Schäkel wurden ersetzt, Stagen nachgezogen und ein abgerissenes Stag mit einer Schnur und vielen Windungen festgezurrt. Der Tag war sonnig und der Wind mässig. Wir warteten zwar auf den Wetterbericht im Radio, wie in den Bahamas üblich kam dieser aber nicht. So stachen wir um 13:00 Uhr in See, Richtung Columbus-Denkmal auf Long Island, wo Telefonnetz hatten und wir zuallererst einen Wetterbericht herunterluden: Ein Tropischer Sturm formte sich vor den kleinen Antillen. Kein Wunder wollte unsere welterfahrene Sea Chantey nicht in diese Richtung fahren – sie hat für schlechtes Wetter einen sechsten Sinn!

Bahamisch eben

Wir wollten in Georgetown nur kurz halten um einzukaufen, schlussendlich sassen wir aber fast drei Tage in dem grössten Nest der Insel Great Exuma. Eigentlich fing alles ganz gut an. Wir hatten eine kurze ruhige Überfahrt und weil das Essen in der Drunken Duck in Wasser gefallen war, gönnten wir uns Abendessen bei Choppy’s Bar. Hähnchen und Rindfleisch kam uns sehr gelegen und ein kaltes Bier brachte sogar Reto wieder in Stimmung, der an dem Abend etwas genervt gewesen war. Auch der Einkauf am Folgetag war ganz in Ordnung, die Preise für die Bahamas normal und im Grossen und Ganzen war alles erhältlich, was wir haben wollten. Sogar Eis gab es bei Exuma Market zu kaufen, womit wir aber sparsam blieben. Wir schafften sogar alles ins Dinghy zu verstauen, wobei die gute Alianza sehr tief im Wasser lag und ich AUF den Einkäufen sitzen musste. Gegen den Wind ruderte Reto uns in die weite Bucht hinaus. Leider fassten wir schon durch die spitzen Wellen hin und wieder Wasser, es hätte das Schnellboot nicht gebraucht, dass auf den letzten dreissig Metern zwischen uns und Sea Chantey hindurchschoss. Dank der Heckwelle musste ich auf den Einkäufen herumturnen und zwischen Retos Beinen hindurch Wasser ausschöpfen, damit wir nicht am Ende noch absoffen. Wir entluden Alianza so schnell es ging, aber dennoch hatte die heisse Sonne und das Salzwasser im Boot unser wertvolles Eis schon halb geschmolzen.

Laut unserem Reiseführer sei Georgetown eine hübsche Ortschaft mit vielen Bäckereien, einer Tankstelle, die Propangas auffüllte und vielen kleinen Läden. Ebenfalls nach Reiseführer riefen wir diesmal Elvis, das Wassertaxi. Nachdem der Chauffeur während einer Stunde schon drei Mal an uns vorbei gefahren war, holte er uns tatsächlich ab. Die Tankstelle schickte uns mit dem Propantank weiter, aber der Laden, den uns die Dame im Tankstellenshop angegeben hatte, organisierte uns tatsächlich Gas – für den nächsten Tag. Wir sahen uns die kleine Stadt zu Fuss an, wofür man vielleicht zwanzig Minuten braucht, wenn man nicht einkauft. Ich kaufte eine luftige, weisse Hose in einem kleinen Geschäft, dann fanden wir ein Cafe/Bäckerei/Pizzaria, die geöffnet war. Wir assen Pizza, aber Brot hatten sie gerade keines mehr, daher bestellte ich mit etwas schlechtem Gefühl ein Brot auf Morgen. Um eine Taxifahrt zu sparen und um das Boot aufzuräumen, bevor wir uns in Unbewohntes Gebiet begaben, schickte ich Reto am Tag danach allein, um alles bestellte abzuholen und noch einmal bei Exuma Market reinzuschauen. Zwei Stunden später kam er mit dem Gas und einer riesigen Portion Fleisch zurück, aber ohne Brot: Es war noch nicht fertig gewesen und Reto war das Warten zu doof gewesen. Als wir es am Nachmittag holen wollten, kam das Wassertaxi nicht um uns zu holen. Genervt von der bahamischen Unzuverlässigkeit überlegten wir uns schon, das dumme Brot sausen zu lassen und ohne abzufahren. Doch starteten wir am nächsten Morgen früh in den Tag und legten kurzerhand am leeren Dock des Versorgungsschiffes an, ich holte in Windeseile das Brot ab, besorgte zwei Säcke Eis und wir machten uns auf dem Weg.