Delfinidylle

Südwestwind konnten wir nicht gebrauchen, um nach Südwesten zu fahren, weshalb wir an einem sonnigen Morgen bei T-Shirt-Wetter dem Intracoastal Waterway folgten. Zu meinem Glück, denn schon als wir Morehead umrundet hatten, kam die erste Flosse in Sicht. Ich war so neidisch gewesen auf die Delfine, die Reto und Pascal damals in Canso Causeway gesehen hatten, als ich schon wieder in die Schweiz hatte zurückfliegen müssen. Keine Delfine gesehen zu haben, hatte ich als meine Strafe betrachtet, weil ich meine Jungs im Stich gelassen hatte. Aber nach fünf Monaten zur See vergab mir das Meer endlich und ein frecher Delfin kam, um unseren Kiel zu inspizieren. Ich kletterte auf den Bugspriet und er schwamm unter mir hindurch, bevor er sich davonmachte. Immer wieder sahen wir die Finnen von Delfinen, während wir dem Kanal folgten, der zwischen den vorgelagerten Inseln und dem Festland in den Sand gegraben worden war. Sandige Inseln mit Palmen und Gestrüpp darauf säumten das Fahrwasser und Schiffswracks vom letzten Huricane lagen manchmal meterweit vom Wasser entfernt. Auf dem Festland reihte sich zeitweise Villa an Villa, jede mit Bootssteg und Boot.

China Rose vor der Onslow Beach Bridge

Bald stellten wir fest, dass wir verfolgt wurden. Ein modernes Segelschiff, nur wenig grösser als Sea Chantey, schien den gleichen Weg zu haben, wie wir. Reto und ich warteten jeweils auf es, wenn wir eine Sandbank überquert hatten, womit wir zu ihrem Lotsenschiff wurden. Bei der Ortschaft Southport hängten wir sie ab, weil dies offenbar die Destination des Boots war. Doch an der nächsten Schwingbrücke holte es uns wieder ein und überholte uns nur um gegenseitig Fotos von einander zu machen. Via Funk erklärten wir uns gegenseitig, dass wir das gleiche Tagesziel hatten. In einem Hafen des Militärs, in dem man zwar ankern durfte, aber nicht an Land gehen, warfen wir gemeinsam Anker. Bald darauf wurden wir per VHF auf die China Rose zum Abendessen eingeladen und Reto ruderte uns hinüber. Linda und Peter entpuppten sich als ausgewanderte Norweger, die bald zwanzig Jahren in den USA leben. Da zwei ihrer vier Kinder aber wieder in Norwegen leben, fliegen die baldigen Rentner regelmässig in die alte Heimat. Wir assen, plauderten und planten die morgige Destination, wo wir uns wieder treffen wollten. Wir würden uns sicher verlieren, denn Linda und Peter sind Frühaufsteher, was wir (vor allem ich) nicht sind… Dann ruderte uns Reto überhaupt nicht dahin, wo wir geankert hatten: Sea Chantey hatte sich losgerissen und hatte ihren Anker bis ganz ans Ende der Bucht geschleift. Glücklicherweise schwamm sie aber noch, denn der Anker hatte gegriffen, bevor sie sich im Sand festgefahren hatte. Insgesamt ankerten wir drei Mal, aber nun hielt der Anker.

Die China Rose, wie wir herausfanden eine Yawl, verliess den Hafen eine Stunde vor uns. Wir hatten zuerst aufzuräumen und das Dinghy zu verstauen, bevor wir ihnen folgten. Ich reinigte gerade das schlammverschmierte Deck, als über den nahen Untiefen Finnen in Sich kamen. Eine Schule Delfine planschte uns entgegen und tauchte unter Sea Chantey, während wir versuchten uns auf die Untiefen zu konzentrieren. Daher entstanden auch dieses Mal keine Fotos, aber male den Moment sobald ich Zeit dazu finde. Tatsächlich holten wir die China Rose samt ihrer Frühaussteher schon an der ersten Schwingbrücke wieder ein, da diese nur zur vollen Stunde öffnet. Da aber Sea Chanteys Motor wieder Kalamiten machte, blieb sie den ganzen Tag das Lotsenschiff. Unsere Destination lag mitten in der Stadt, denn rund um diese Lagune reihten sich die Ferienwohnungen und Marinas von Carolina Beach. Wir reservierten per Internet eine Mooring-Boje, um nächtliches davontreien zu unterbinden. Ich kam beim Kochen richtig in Fahrt, als wir die Crew der China Rose zum «Znacht» einluden: Ich röstet sogar Nüsse zu Krokant, um die in Brandy gekochten Äpfel mit Vanille Creme zu garnieren.

Die Verabschiedung kam dennoch erst am Morgen via Funk. Während die China Rose St. James Marina anlief, durchquerten wir den Snows Cut und den Cape Fear River nach Süden. Lustiger Weise posteten Linda und ich abends je ein Foto auf Instagram von demselben Frachtschiff: Linda von Backbord, ich von Steuerbord. Wir liefen kurz nach dem Mittag in der Marina von Bald Head Island ein.

Piraten in Beaufort

Was mein freier Tag hätte sein sollen, wurde ein Trip zum Museum. Vormittags setzten wir uns für die Planungsarbeit in die Captains Lounge der Yacht Basin Marina. Reto studierte Wetterberichte und machte Routenplanung, während ich Blogbeiträge schrieb. Bloggen ist leider sehr Zeitintensiv. Noch dazu war ich abgelenkt vom Bücherregal: Ich hatte eine Buchserie für Kinder entdeckt, wunderschön illustriert, und das erste, das ich aufschlug, liess mich nicht mehr los. «A Bell for Ursli» stand zuoberst im Inhaltsverzeichnis. Ich staunte nicht schlecht als ich weiterblätterte und die Originalbilder aus dem Kinderbuch vorfand. Ich hätte fast zu weinen begonnen, so schön war es ausgerechnet den Schellenursli zu treffen. Als ich auf dem nächsten Band der Serie Willhelm Tell auf dem Buchrücken sah, hätte ich die Bücher fast geklaut. Aber ich konnte mich beherrschen und schrieb sehr abgelenkt meine Blog-Beiträge. Zum Glück jammerte Reto nach Essen, sobald ich fertig war, sonst hätte ich es mir womöglich anders überlegt.

Nach einem späten «Zmittag» hatten wir ursprünglich einen ausflug auf die kleine Insel gegenüber der Marina geplant, aber statt das Dinghy ins Wasser zu lassen bestellten wir einen Uber. Eine ältere Dame fuhr uns ins benachbarte Beaufort, wo sie uns beim Maritime Museum absetzte. Weil wir nicht wussten, dass dieses Museum Gratis war, sahen wir uns darin etwas verwirrt nach der Kasse um. So kamen wir ins Gespräch mit Bill Martin, einem Volunteer: Wir waren zufällig in die grösste Sammlung von Fundstücken des Piratenschiffs Queen Anne’s Revange gestolpert. Blackbeard hatte es 1718 vor Beaufort auf eine Sandbank gesetzt, als er die Ortschaft überfallen wollte. So lag das Piratenschiff, von dem ich mich zum Namen von Salls Schiff in Höllenhunde inspirieren liess, für Jahrhunderte im Beaufort Inlet, während Blackbeard auf einer kleinen Pinasse nur mit einer Kiste Medizin als Beute das Weite suchte. Bewundernd bestaunte ich die Kristallgläser, Nägel, Vorderladerkugeln und selbst eine Kanone, die Taucher aus den Resten des Wracks geborgen hatten. In der Maritimen Bibliothek hätte ich Reto eine Woche verstauen können, während ich das Skelett des Spermwals grandios fand. Den Videoraum fand ich besonders cool, denn wie sich herausstellte, gibt es schon seit den 50ern viele Piratenfilme mit Frauen in der Hauptrolle, wobei die gespielten Geschichten allerdings angeblich zu Wünschen übrig liessen. Reto hatte derweil Mister Martin um den Finger gewickelt und unser Besuch im Museum endete mit einem Ausflug auf die NICHT öffentliche Dachterrasse, wo wir einen Vortrag über die Inseln vor Beaufort bekamen. Auf der äussersten wohnt die einzige, unveränderte Herde Spanischer Pferde, wie sie vor vierhundert Jahren von den Spaniern ausgesetzt wurde. Manchmal verschlägt es uns aber auch an unangenehme Orte. Nach dem Museum verschlug es uns in eine Bar, in der mir einfach nicht wohl war. Ich war richtig froh fürs Abendessen wieder in Sea Chanteys Kombüse klettern zu dürfen, anstatt auswärts zu gehen.

Fischerhafen an der Reuss?

Vom Pungo River durch den Pamlico Sound und in den Goose Creek Kanal brauchten wir gerade einmal einen halben Tag. So konnten wir uns einen Stopp mitten im Kanal gönnen, wo in Hobucken tatsächlich ein Fischerhafen liegt. Trawler lagen an dem langen, vernachlässigten Steg, an dessen Nordende wir anlegten. Vorbei an Arbeitsamen Fischern spazierten wir nach Süden und fanden den kleinen Tante-Emma-Laden. Ich versorgte uns mit Fisch für die nächsten Tage: Flunder, Grouper und Red Snapper bekam Reto an den nächsten Abenden zu essen.

Wir ankerten in einem Nebenarm des Neuse River, bevor wir durch den Adams Creek Canal die letzte vorgesehene Etappe des Intracoastal Waterway antraten. Reto fand, mit den Steilen Ufern und den kleinen Sandstränden zwischen den Schilfwäldern erinnere der Kanal an die Reuss. Manchmal bekam ich das Gefühl auch Reto habe Heimweh. Am Adams Creek standen viele Häuser, jeweils mit Bootssteg und Wracks von vernachlässigten Booten säumten unsern Weg. Besonders schmerzte uns der hölzerne Fischtrawler, der umgekippt halb im Wasser liegt. Die Aufschrift Miss Melissa sah frisch aus. Das hübsche Schiff hatte wohl erst im letzten Hurricane sein Ende im Flussbett gefunden. Durch einen weiten Kanal erreichten wir die Brücke, die Beaufort mit Morehead verband und machten eine scharfe Rechtskurve, um in der Marina zu landen. Zumal Gegenwind angesagt war, wollten wir in der Yacht Basin Marina einen Tag Planungsarbeit einlegen.

Keine Alligatoren im Alligator River

Pünktlich begannen wir unsere Fahrt durch den Elizabeth River nach Süden. Zwischen Norfolk und Portsmouth unter der Autobahnbrücke hindurch, vorbei an Werften folgten wir dem meist verschmutzten Fluss in Nordamerika. Das Wasser war braun und trübe, aber die Farbe stammte aus dem nahen Dismal Swamp, den wir ursprünglich durchqueren wollten. Der Sumpf färbt das Wasser braun wie dünnen Kaffee. Momentan ist jedoch die Schleuse in Elizabeth City wegen Reparaturen geschlossen, weshalb wir am Wegweiser in die andere Richtung abbogen. Auch hier fuhren wir durch einen Sumpf, an dessen Ufern Schilf wuchs und totes Holz stand. Reto steuerte, ich war an den heiklen Stellen Ausguck, durfte aber oft lesen. Bald erreichten wir die Schleuse dieses Kanals und sanken um zwei Fuss, bevor wir an der Zugbrücke einer Bartsch den Vortritt liessen. Bald danach hatten wir den ersten Sumpfwald hinter uns und überquerten eine Bucht der Lagune. Der Kanal führt hier mitten durch eine Insel, bevor er mitten durch das Festland nach North Carolina führt. In der Mitte dieses Kanals lag unser Tagesziel, welches wir kurz nach Sonnenuntergang erreichten. An einem schier endlosen Pier legten wir an und wussten schon, auch heute essen wir auswärts. Captain Jacob, der in Atlantic City notdürftig unsere Propellerwelle abdichtete, hatte uns Coin Jock Marina und Restaurant empfohlen – wir sind seither zirka 300 Meilen gereist. Das Abendessen war himmlisch, ich habe mich in Austern Rockefeller Art verliebt und drei Stücke Kuchen zu teilen, entpuppte sich als eine geniale Idee.

Nach einer Brücke öffnete sich der Kanal zu einer weiten Lagune, den Abermarle Sound, für die wir fast den ganzen Tag brauchten, um sie zu überqueren. Der arme Reto sass fast den ganzen Tag am Steuer, weil ich so vertieft in mein Buch war. Obwohl das fast schwarze Wasser neben dem Kanal nur zwei Meter tief war, fühlte ich mich wie auf dem Ozean. Nur ganz klein am Horizont waren die spitzen von Bäumen und Büschen zu erkennen. Zwischen Untiefen hindurch erreichten wir den Alligator River, wo uns wieder einmal eine Schwingbrücke geöffnet werden musste. Erst bei Sonnenuntergang warfen wir den Anker.

Über dem Kanal, der den Pungo River mit dem Alligator River verbindet, kreisten Adler und einmal erblickten wir eine Rotte Wildschweine. Alligatoren sahen wir keine. Aber Reto war nicht geistesgegenwärtig genug um langsamer zu fahren, daher sind auf den Fotos nur Büsche zu sehen. Er lachte darüber, dass ihn die Gegend ausgerechnet an die Limmat erinnerte. Durch den Kanal kamen wir schnell voran und erreichten die touristische Ortschaft Belhaven schon am frühen Abend. Eigentlich wollten wir Budget-schonend am Gratis Pier schlafen, aber nachdem wir in der Marina getankt hatten, wollte Reto nicht mehr den Liegeplatz wechseln. So kamen wir aber zu einem gut genutzten Abend: Die Marina stellte uns einen Golf-Kart zur Verfügung mit dem wir an der Tankstelle unsere Propantanks füllten. Nach einem Abstecher zum Hardware Store, tranken wir bei Sonnenuntergang Kaffee auf der Veranda. Und dank Dusche und Waschmaschine sind Reto, ich und unsere Kleider alle wieder sauber. Ich finde übrigens nicht, dass der Kanal der Limmat ähnelt – an der Limmat gibt es sicher keine Pelikane!

Bier auf dem Elizabeth River

Richtig übles Heimweh, bekam ich während des Wochenendes, an dem wir warteten, dass sich unser Boot vollsaugt. Wir machten uns einen gemütlichen Samstag, gingen Bier kaufen und wollten im Restaurant essen gehen. Da das überall gelobte Fish&Slips unser zweites zu Hause war, wollten wir dem «Biergarten» eine Chance geben. Ein deutsches Ehepaar betreibt ein nicht zu kleines, deutsches Restaurant mit Schwarzwaldstiel, bayrischen Farben und Oktoberfest-feeling mitten im Downtown Portsmouth. Die Bierkarte ist so lang wie Sea Chantey und wir genossen jeder eine deutsche Biersorte. Bei «Strammer Max» – Fleischkäse mit Spiegelei – kamen mir fast die Tränen! Da sie ein originelles Lokal sind, hat der Biergarten nicht nur T-Shirts sondern ein richtiges kleines Spezialitätengeschäft, mit Milka, Knorr, Drindl-Kostümen und gebrauchten DEUTSCHEN BÜCHERN! Als ich das Werk «Die Zuckerbäckerin» aus dem Regal zog, wurde ich nicht nur einen Dollar ärmer, sondernd bekam furchtbare Sehnsucht nach meinem Mami, mit der ich zu Hause gleich eines der Rezepte im Roman ausprobiert hätte. Zumal Bier auch sensibel macht, quälte mich die ganze Nacht das Heimweh.

Auch am Sonntag musste ich nicht abwaschen, der Pizzalieferdienst wurde aber zum echten Abenteuer. Nämlich bestellten wir übers Internet und gaben an auf dem Parkplatz zu warten, wo ich nach der Hälfte der als zu erwartenden Lieferzeit angegebenen Zeit auch stand. Dort verliess gerade ein Bootsbesitzer den Parkplatz: Ob ich einen Pizza-Burschen suche? Ich hatte unser Abendessen um eine Minute verpasst. Mist! Reto holen, Uber bestellen, zum Pizza Hut fahren – unsere Pizza war sogar noch warm, als wir sie abholten. Zu Hause auf Sea Chantey genossen wir sie in jedem Bissen, zwei hervorragende, hart verdiente Pizzen.

Am Montag, zwei Wochen nachdem wir in die Werft kamen, stellte unser eifriger Schiffszimmermann den Motor auf die Propellerwelle ein. Wir machten eine Testfahrt und alle waren mit der erledigten Arbeit gleichermassen zufrieden. Nur Werftbesitzer Mike hätte seinen Schiffszimmermann am liebsten sofort zurückgehabt, den auf Richard wartete schon die nächste Arbeit. So hatten wir einen halben Tag Zeit um das Feierabendbier bereitzustellen. Gegen fünf Uhr bekamen wir auch tatsächlich drei Besucher: Richard, unser Schiffszimmermann, Charlie, der Sea Chanteys Bolzen aus dem Rumpf schlagen musste, und sehr zu Retos Freude Kate, unsere hübsche Rezeptionistin. Auch in den USA sind die Alkohol-Autofahren-Verhältnisse streng, weshalb sich unsere Besucher nach einem Bier auf den Heimweg und wir auf zur Tidewater Marina machten. Reto, eben ein waschechter Seemann, musste sich von noch einem hübschen Frauenzimmer verabschieden, weshalb wir diesmal im Fish&Slips zu Abend assen. Wir sassen an der Bar und plauderten bald mit dem angetrunkenen Trevor und seiner Bootsnachbarin. Trevor brauchte Gesellschaft, weil er gerade eine Trennung hinter sich hatte, und erzählte uns von seinen Abenteuern als Krabbenfischer in Alaska und Segler im Bermuda-Dreieck. Lustigerweise war es aber seine gut gelaunte Bootsnachbarin, die mir erklärte, wie ich meine Krabbenbeine knacken musste. Schliesslich kam auch die Schankmaid Ashley dazu uns zu erzählen, weshalb sie nun gebrochene Finger hatte – sie wollte nach links, aber ihr Hund nach rechts… Wir waren wieder einmal die Gäste mit dem dicksten Sitzleder und verliessen die Bar kurz vor Ladenschluss.

Landgang für Sea Chantey

Am Montag, 13.1. war es endlich soweit: Mikes Angestellter stand schon am (frühen) Morgen auf dem Pier, stellte sich vor und betrachte, was er zu tun hatte. Auch er kam zum Schluss, dass man erst herausfinden würde, wo das Problem liegt, wenn man alles auseinander genommen hatte. Reto erklärte ihm seinen Verdacht, nämlich dass die Röhre des Propellerschaftes wegen Kontaktkorrosion durchgebrochen war und deshalb Wasser durch den Spalt in der Röhre unter der Schaftdurchführung herauslief. Bald diskutierten Kapitän und Werftangestellter, wo die Gurte des Travellifts angelegt werden mussten, um Sea Chantey aus dem Wasser zu heben. Bei einem Travellift handelt es sich um ein fahrbares Gestell mit zwei Seilwinden, die je eine Gurtschlaufe anziehen, in denen das Schiff hängt wie in einer Hängematte. Die Gurten wurden in eine Art offenes Schwimmbecken herabgesenkt, während fünf Männer Sea Chantey an ihren Leinen um die Ecke des Piers zogen. Vorsichtig zogen sie unser Ketsch zwischen die Gurtschlaufen, wobei die hintere am Ruder hängenblieb. Mit einem langen Bootshaken und starken Armen wurde die Schlaufe unter den Kiel geführt. Und dann ging’s aufwärts: Wie die Fahrgastkabine eines Lifts wurde unser altes Mädchen in die Höhe und aus dem Wasser gehoben. Sobald ihr Kiel über dem Beckenrand schwebte, brachte Mike das Gestell in Gang. Langsam, damit unser 13 Tonnen Baby nicht ins Schwingen kam, bewegte er sie aufs Land.

Unter Sea Chantey Kiel wurden Blöcke gestapelt, auf denen sie abgestellt wurde, bevor an den Seiten Stützen angebracht wurden. Bis dahin hatten Reto und ich das Problem längst entdeckt. Unser Propellerschaft ist sehr lang, steht schräg aus dem Rumpf und ist daher durch eine Halterung stabilisiert und gelagert. Und eben diese bronzene Konstruktion hing lose. Dadurch drückte die Propellerwelle auf die bronzene Röhre, die sich durch die falsche Belastung von dem Holz des Blocks löste und leckte. Mit der Demontage wurde sofort begonnen, nachdem unser fast Algen-loses Unterwasserschiff gereinigt worden war. Die Halterung war mit Bolzen quer durchs Schiff montiert und es musste viel Spachtelmasse abgemeisselt werden, bevor die Muttern frei wurden. Diese brachen beim Abschrauben ab, weshalb die 30 cm langen Schrauben aus ihren Löchern geklopft wurden. Die Röhre zerbrach beim Herausziehen in drei Teile, ganz falsch lag Reto mit der Kontaktkorrosion nicht. Insgesamt murksten zwei Männer zwei Stunden an Sea Chantey herum, bis die 60-jährigen Teile demontiert waren. Dann kam der Boss zum Zug: Ersatzteile besorgen, nach Möglichkeit in Bronze, wie original.

passt und ist dicht

Eine Röhre zu bekommen, war einfach, denn diese musste extra für uns gefertigt werden. Bronzeschrauben in Sonderlänge zu besorgen, wurde hingegen zum Problem: Alle Lieferanten versicherten uns, sie könnten liefern, …aber erst in drei bis sechs Wochen! Nach drei Tagen herumtelefonieren, entschied Mike bei uns Stahlschrauben zu verbauen, wie er es mit bestem Gewissen auch bei jedem anderen Boot getan hätte. Reto und ich beschlossen aber sie mit dem richtigen Material zu ersetzten, sobald wir zu Hause sind und ich sie auf Papis Drehbank in gut zwei Stunden selber machen kann. Derweil trocknete unsere Elektro-Heizung fleissig den Block aus, während Kapitän und Mädchen für alles unterhalt machten. Wir malten und lackierten alles, was es mehr oder weniger nötig hatte. Zumindest solange die Temperaturen es zuliessen, denn gegen das Wochenende wurde es bitterkalt und windig. So machten wir einige Tage Blau, spielten Computerspiele, schrieben/korrigierten Bücher und verliessen unser «warmes» Boot nur, um zum Stillen Örtchen zu huschen (unser WC spült mit Meerwasser und bleibt an Land trocken). Anfang diese Woche war der Block trocken genug um ihn für das Epoxid vorzubereiten und am Mittwoch steckten Mikes Jungs die nigelnagelneue, golden glänzende Bronzeröhre in den Block. Von aussen und innen bestens mit Kunstharz verkleistert, sollte die Röhre nun wieder 20 Jahre dicht sein. Auch die Halterung wurde wieder montiert, bevor der ganze Unterwasserrumpf eine zusätzliche Schicht kupferhaltige Farbe erhielt, sogenanntes «Antifowling», das vor Bewuchs schützt. Am Freitag, zwölf Tage nach dem Haul-Out, wurde der Schaft wieder ins Boot gestossen und die Dichtung montiert. Mit dem Travellift setzte uns der Boss umgehend wieder ins Wasser, die Schlaufen senkten sich ins Wasser und innen… kam kein Tröpfchen! Sea Chantey ist wieder so dicht, wie ein Holzschiff nur sein kann!! Wir entschieden uns die Reparatur aber erst am Montag zu vollenden. Sea Chanteys Planken können sich derweil vollsaugen und ihre «natürliche» Form einnehmen, dann erst wird der Motor ausgerichtet damit Motor und Schaft fluchten. So entstehen keine Spannungen oder neue Verformungen, die einer langanhaltenden Gesundheit unseres Ketschs im Weg stehen könnten. Ausserdem gibt uns das Schwellen Zeit um Bier für die Werftmannschaft zu besorgen. Man möchte doch gute Erinnerung an die bei Werften generell unbeliebten Holzboote schaffen.

der süsse, kleine River mit dem grossen Reto

Stürmt die Werft

Am Dreikönigstag hatten wir etwas besonderes vor: An Retos Geburtstag wollten wir unser Glück mit der Werft erneut versuchen. Tatsächlich arbeiteten einige Leute mit schwerem Gerät auf dem Werftgelände. Und bald fanden wir auch den sehr beschäftigten Werftbesitzer Mike. Der dickliche Mann hatte viel zu tun und hörte uns eigentlich nur mit halbem Ohr zu, bevor er uns erklärte, dass er zu viel zu tun hatte, um sich mit Holzbooten herumzuschlagen. Diese wurden, wie uns bekannt war, häufig zu nie endenden Projekten und er konnte sich wirklich nicht damit aufhalten. Schliesslich gab Mike aber nach: Sein Schiffszimmermann Zack würde sich unser Problem einmal ansehen. Zack, der in Camden an einer Holzbootschule gelernt hatte, war der Meinung, dass ich das Leck schon reparieren lassen würde. Reto sammelte ausserdem Pluspunkte: Zack baut, wie Reto und Richard es getan haben, eine Duck Trap Dwerry und fand es spannend sich darüber auszutauschen. Er überzeugte den Big Boss uns aufs Trockene zu holen. So verschickte Reto noch am gleichen Tag Fotos von Sea Chantey an das Portsmouth Boating Center, damit Mike sich überlegen konnte, wie er unser Ketch in seine Travel Lift hängen konnte. Er könne uns aber frühstens Ende Woche auswassern, sagte uns Boss Mike, seine Sekretärin würde uns auf dem Laufenden halten. Wir hatten also doppelten Grund zum Feiern: Ich lud meinen Reto an diesem Abend ins Fish&Slips ein, wir gönnten uns eine Flasche Wein zum Essen und rundeten den Tag mit Desserts ab. Leider hatte ich vor lauter Leck nicht einmal Zeit gehabt Reto einen Kuchen zu backen.

Reto am Cockpit schleifen

Nach einigen Tagen streichen und flicken in der Tidewater Marina wurden wir wieder in die Werft beordert, um die letzten Dinge zu klären. Wir würden am Montag, 14.1. ausgewassert werden, wegen des Bugspriets rückwärts, also Heck voran, und Mike erklärte uns wie wir anlegen sollten. Er zeigte uns auf der Karte, wie wir die Fahrrinne zu durchqueren hatten und, dass wir mit der Backbordseite anlegen sollten. So würden seine Leute Sea Chantey nur um die Ecke in den Travel Lift ziehen müssen. Top: Auch die meisten von unseren Bestellungen erreichten die Marina bevor wir am Sonntagnachmittag aufbrachen. Derweil war Reto zum Marina-Gehilfen mutiert. Er half diversen Booten beim Docken an der Tankstelle und am Gästepier und versuchte das Rollfock eines verlassenen Segelboots zu retten. Dieses wurde von seinem Besitzer nicht mehr benutzt und als ein Sturmwind das vordere Segel zerriss, bekam Reto Mitleid mit dem armen Boot und versuchte sein Bestes, aber das Segel war nicht mehr zu retten. Auch als wir entdeckten, dass sich eines der normalerweise bewohnten Boote losgerissen und sich unter dem Pier verklemmt hatte, wollten wir uns voll Tatendrang der Rettungsmission anschliessen. Jedoch konnten wir das Dock nicht erreichen, weil den Code zu diesem Tor nicht hatten. Da aber ein Tow Boat, dessen Pilot mit den Leuten der Marina befreundet ist, gerade zum Tanken kam, richteten diese mit vereinten Muskelkräften das Boot wieder auf und sicherten es. Die Angestellten der Marina witzelten darüber, dass uns nun wirklich nur noch ein Freudenfeuer fehlte und wir hätten alles gesehen was die Tidewater Marina zu bieten hatte. Dabei zeigten sie mit dem Daumen auf den Verteilerkasten auf dem Nachbarpier, der im letzten Herbst ausgebrannt war.

unsere hölzerne Nachbarschaft ist ein Taucherboot aus den 40ern

Jedenfalls hatten wir am Sonntag wunderbares Wetter, als wir durch den Kanal in den Seitenarm des Elizabeth River fuhren. «Fahrt bis zur roten Boje!», hatte Mike uns verklickert, «Kürzt auf keinen Fall ab! Da ist es nicht tief genug!» Die Warnung war noch taufrisch in meinem Gedächtnis, weshalb ich mir nicht vorstellen konnte, dass Reto etwas soooo Wichtiges vergessen konnte. Ich fand zwar, dass er die Sandbank nicht grosszügig genug umfuhr, aber ich vertraute ihm: Bis wir rumpelnd über die Sandbank fuhren. Glücklicherweise blieben wir aber nicht stecken und banden Sea Chantey ohne weitere Vorkommnisse fest. Als ich Reto fragte, warum er nicht nach Mikes Anweisung gefahren war, sagte er nur: «Aber das hatte ich doch vergessen!» Der Abend war so schön und ich so voller Tatendrang, dass wir das Beiboot zu Wasser liessen und ich uns eine Weile in der Gegend herumruderte, bevor wir uns auf den sehnlichst erwarteten Montag vorbereiteten.

„Row row row your boat…“

Zum Warten verdammt

Momentan erleben wir nicht die haarsträubenden Seefahrer-Abenteuer, mit denen wir uns sonst herumschlagen. Stattdessen erleben wir die gelangweilten Tage des friedlichen Hafenlebens und nur meine Piratengeschichten und Seefahrer-Missionen in Retos Game versüssen uns die Tage mit Abenteuern. Bei schönem Wetter schliefen und lackieren wir unser Holzboot, bei Regen verstecken wir uns darin und machen Blau. An Silvester machten wir eine Wanderung zum Einkaufszentrum (1 Stunde Wegmarsch). Vollbeladen mit Fressalien meldete Reto sich bei Uber an, um uns samt Proviant wieder zum Hafen zu befördern. Ein schönes Stück Fleisch und frisches Ratatouille zum einem Glas Wein, war eine willkommene Abwechslung zu Dosenfutter mit Zwiebeln, aus denen ich auf mirakulöse Weise immer etwas Leckeres zusammen kochte. Manchmal gönnten wir uns einen Drink im Fish&Slips, das über unserer Marina thront, aber wir assen dort selten. Statt «Dinner for one» hatte Reto uns einen actionreichen Autofilm heruntergeladen, aber wir wären nach dem Film beinahe eingeschlafen, bis das neue Jahr auch die Ostküste der USA erreichte.

unser Arbeitszelt -> damit das Cockpit beim Trocknen trocken bleibt

An Double-Finger, also dem 1. 1., brachte uns ein Uber zu einem Elektronikgeschäft, das mit dem Namen «Best buy» Kundschaft anlockt. (Denkt noch jemand automatisch: «Mediamarkt, ich bin doch nicht blöd»?) Ich dachte eigentlich mich längst für das Samsung Model entschieden zu haben, jedoch verliess ich das Geschäft mit einem grünen, nigelnagelneuen …Nokia! Da wir beide den Shop hungrig verliessen, gingen Reto und ich zum Chinesen. Obwohl wir in einem Fast-Food-Laden, «Panda Express» standen, wo wir um elf am Vormittag natürlich die ersten Gäste waren, wurden wir bedient, fast wie im Restaurant. Weil wir auf unser Essen warten mussten, wurde uns ein Appetizer offeriert, bevor der Hauptgang an den Tisch serviert wurde. Noch besser trafen wir es mit dem Uber-Fahrer, der uns nach Hause brachte. Als wir dem geschwätzigen, älteren Schwarzen erzählten, dass wir auf einem Schiff wohnen und reisen, war Reginald so begeistert, dass wir ihn kurze Zeit später zu Kaffee und Brownies an Bord einluden. Er erzählte uns von den harten Behörden in Virginia und seiner Familie, ehe er uns eine Telefonnummer hinterliess. Wir hätten ihn gerne, wie abgemacht nach Virginia Beach begleitet, nur war unter seiner Nummer niemand zu erreichen. Dafür würden wir vielleicht noch einen Ausflug ins Museum machen, falls wir uns an einem Regentag aufraffen könnten.

Halbfreiwillige Weihnachtsferien

Da sassen wir nun in der Marina und hofften, dass der Boss der «Portsmouth Boating Center Inc.» zurückrief. Aber am 25. Dezember, Christmas Day, durften wir eigentlich nicht erwarten, dass jemand im Büro war, vor allem, da auch die Werft Weihnachtsferien hatte. Da der Anrufbeantworter aber versprach, dass Nachrichten regelmässig abgehört wurden, warteten wir hoffnungsvoll. Wir nutzten unsere halbfreiwilligen Ferien, um zu putzen und aufzuräumen. Reto dichtete zwei weitere Bullaugen ab, damit sind nun 4 von 8 wieder dicht. Abends hörten wir Hörspiele aus meinem Computerspeicher. Leider haben wir inzwischen alle gehört und unser Ferien-Ritual läuft damit aus. Auch am 26. Dezember warteten wir vergeblich auf einen Anruf, entschieden aber nur noch eine Nacht zu bleiben – Leck hin oder her. Zum Frühstück gab es Mailänderli, ich hatte vergessen Brot zu backen. Zum Mittag gabs Fajitas im Fish&Slips. Nicht das wir es uns wirklich leisten können schon wieder ins Restaurant zu gehen, aber in der Bar war das Internet viel stärker als auf dem Pier und es war lustig schon nach dem zweiten Barbesuch «das übliche» bestellen zu können. Auch mit der Post hatten wir kein Glück – geschlossen. Dafür verwandelte sich die Kombüse am Nachmittag in eine Backstube. Während Reto Lackarbeiten vorbereitete, backte ich dreieinhalb unterschiedliche Sorten Brot: Seewolfs Haferbrot, Kokosbrot, Brot nach Onkel Willi’s Rezept. In die Hälfte von letzterem noch ein paar Weinbeeren zu kneten, kann ich nicht als eigene Sorte zählen!

Wir gaben dem Boating Center Zeit bis Freitag, 10:00 Uhr, Ortszeit, dann würden wir ablegen. Wir setzten den Plan aber nicht um. Stattdessen klapperten wir alle Werften in Portsmouth ab, um einen Lift für unser leckendes Boot zu finden. Wir nahmen sogar den Fussmarsch zum Boating Center auf uns, aber die Freundliche Dame im Büro konnte uns nur sagen, was wir vom Telefonbeantworten wussten – der Chef war nicht da (und wie wir vermuteten, war er der einzige der den Lift benutzen durfte). Aber wir hatten von der Konkurrenz einige Telefonnummern von anderen Werften erhalten, weshalb unsere Suche am Telefon weiter ging. An Retos Telefon, denn meines scheint bald das Zeitliche zu segnen. Doch in ganz Virginia wird vor dem Dreikönigstag kein Bootslift mehr bedient, weshalb wir uns entschieden bis dahin zu bleiben und mit unserer Marina den Wochentarif aushandelten.

Da mein altersschwaches Mobiltelefon sich am Ladegerät schlecht erholt, durfte ich vom Schleifen der Kabinenwände einen Tag frei nehmen. Ich liess mich von der Fähre nach Norfolk rüberfahren und ging in die Mall, wie jede normale Amerikanerin. Ein Mobiltelefon zu kaufen, das nicht SIM-locked ist, stellte sich aber als ein Ding der Unmöglichkeit heraus. Aber im vierten Geschäft rutschte dem Verkäufer über die Lippen, dass ich dafür in ein Elektronik-Geschäft müsse und konnte mir auch eines empfehlen. Der Mann, der an einem Marktstand in der Mitte der Mall Handy reparierte, runzelte über meine elektronische Antiquität von 2015 die Stirn. «Uhh, das wäre aber eine komplexe Reparatur», sagte er, nachdem er herausgefunden hatte, dass er einerseits nur schwer an einen Akku kommt und andererseits das Handy vom Bildschirm aus öffnen müsste. Dafür plauderte ich mit ihm eine Weile übers Reisen: Als ehemaliger Navy Maschinist konnte er auf Reisen nach Asien und «leider» auch den Irak zurückblicken. Zumindest bezüglich Weihnachtseinkäufe war ich äusserst erfolgreich: Sea Chantey bekam ein neues Logbuch, denn das alte ist seit zwei Wochen voll, und Reto bekam eine Kanone (mit eingebautem Bleistiftspitzer!!)! Nur musste ich meinen Kapitän erst abstauben, bevor er die Geschenke auspacken konnte. Reto hatte den ganzen Tag alten Lack abgeschliffen, war Staubig von oben bis unten und ziemlich kaputt. Dafür durfte er sich nun mit ein bisschen Gamen erholen.

Wir sind nicht ganz dicht

Christmas Eve sollte ein ruhiger Tag werden: Wir schliefen lange, gingen duschen und setzten uns dann ins Restaurant Fish&Slips, welches über dem Marina Office einen wunderbaren Ausblick über den Hafen hatte. Meine Eltern erwischte ich am Skype nicht mehr, sie waren schon zum Weihnachtsfest meiner Tante abgefahren. Da wir festgestellt hatten das Captain Jacobs Versuch Sea Chantey abzudichten gescheitert war, suchten wir nun eine Werft die Sea Chantey aus dem Wasser heben konnte. Wir machten kurzerhand einen Spaziergang zu Newells Boatworks. Zirka eine Stunde irrten wir in Portsmouth herum, doch schliesslich fanden wir die Holzwerkstatt. Mitch schien auch der richtige Mann für den Job zu sein, nur konnte er Sea Chantey nicht aus dem Wasser heben und der dafür erwählte Boss einer Werft hatte leider schon Weihnachtsferien. Nach einem dreistündigen Spaziergang kamen wir wieder auf Sea Chantey an. Ich hatte bis dahin keines meiner Tagesziele erreicht, keinen Kuchen gebacken, das WC nicht geputzt, den Abwasch nicht gemacht und auch nicht mehr die Nerven dazu.

Aber plötzlich sagte Reto: «Dein Bruder hat geschrieben!» Tobias schrieb, ich sollte meinen Cousin anskypen, er sei online. Leichter gesagt als getan, denn auf dem Pier gab es kaum Wifi-Signal. Mit dem Laptop setzte wir uns daher auf die Treppe zum Restaurant. Tatsächlich bekamen wir ein Videotelefonat zu stande und kurz darauf sah ich meine 5000 km entfernte Familie friedlich im Wohnzimmer meiner Tante versammelt. Wir verstanden uns zwar schlecht, aber es war wunderschön mit meiner Familie ein Paar Worte zu wechseln. Es war das erste Weihnachtsfest, an dem ich nicht zu Hause war um mitzufeiern. Aber ein bisschen Technik verschaffte mir nicht nur die neusten Familiennachrichten, sondern rettete meinen Heiligabend. Obwohl wir schon im Restaurant zu Mittag gegessen hatten, entschieden wir auch bei Fish&Slips unser Weihnachtsessen zu geniessen. So kam ich nach dem Telefonat mit meiner Familie zu einem grossen Stück Fleisch und Reto zu einem Dessert. Danach legten wir uns in unsere Koje, sahen der Öllampe beim brenne zu und hörten ein Hörspiel, dass ich vor langer Zeit auf meinen Laptop kopiert hatte. Ohne Christbaum, Kerzen oder Geschenke hatten wir doch ein gemütliches Weihnachtsfest.


Liebe Familie, Freunde und hochverehrte Leser,

Wir Weltenbummler wünschen euch frohe Weihnachten! Geruhsame weihnachtliche Tage, warme Herzen und eine wunderbare Zeit mit der Familie!

Süsse Weihnachtstage

Stefy & Reto