Fischerhafen an der Reuss?

Vom Pungo River durch den Pamlico Sound und in den Goose Creek Kanal brauchten wir gerade einmal einen halben Tag. So konnten wir uns einen Stopp mitten im Kanal gönnen, wo in Hobucken tatsächlich ein Fischerhafen liegt. Trawler lagen an dem langen, vernachlässigten Steg, an dessen Nordende wir anlegten. Vorbei an Arbeitsamen Fischern spazierten wir nach Süden und fanden den kleinen Tante-Emma-Laden. Ich versorgte uns mit Fisch für die nächsten Tage: Flunder, Grouper und Red Snapper bekam Reto an den nächsten Abenden zu essen.

Wir ankerten in einem Nebenarm des Neuse River, bevor wir durch den Adams Creek Canal die letzte vorgesehene Etappe des Intracoastal Waterway antraten. Reto fand, mit den Steilen Ufern und den kleinen Sandstränden zwischen den Schilfwäldern erinnere der Kanal an die Reuss. Manchmal bekam ich das Gefühl auch Reto habe Heimweh. Am Adams Creek standen viele Häuser, jeweils mit Bootssteg und Wracks von vernachlässigten Booten säumten unsern Weg. Besonders schmerzte uns der hölzerne Fischtrawler, der umgekippt halb im Wasser liegt. Die Aufschrift Miss Melissa sah frisch aus. Das hübsche Schiff hatte wohl erst im letzten Hurricane sein Ende im Flussbett gefunden. Durch einen weiten Kanal erreichten wir die Brücke, die Beaufort mit Morehead verband und machten eine scharfe Rechtskurve, um in der Marina zu landen. Zumal Gegenwind angesagt war, wollten wir in der Yacht Basin Marina einen Tag Planungsarbeit einlegen.

Keine Alligatoren im Alligator River

Pünktlich begannen wir unsere Fahrt durch den Elizabeth River nach Süden. Zwischen Norfolk und Portsmouth unter der Autobahnbrücke hindurch, vorbei an Werften folgten wir dem meist verschmutzten Fluss in Nordamerika. Das Wasser war braun und trübe, aber die Farbe stammte aus dem nahen Dismal Swamp, den wir ursprünglich durchqueren wollten. Der Sumpf färbt das Wasser braun wie dünnen Kaffee. Momentan ist jedoch die Schleuse in Elizabeth City wegen Reparaturen geschlossen, weshalb wir am Wegweiser in die andere Richtung abbogen. Auch hier fuhren wir durch einen Sumpf, an dessen Ufern Schilf wuchs und totes Holz stand. Reto steuerte, ich war an den heiklen Stellen Ausguck, durfte aber oft lesen. Bald erreichten wir die Schleuse dieses Kanals und sanken um zwei Fuss, bevor wir an der Zugbrücke einer Bartsch den Vortritt liessen. Bald danach hatten wir den ersten Sumpfwald hinter uns und überquerten eine Bucht der Lagune. Der Kanal führt hier mitten durch eine Insel, bevor er mitten durch das Festland nach North Carolina führt. In der Mitte dieses Kanals lag unser Tagesziel, welches wir kurz nach Sonnenuntergang erreichten. An einem schier endlosen Pier legten wir an und wussten schon, auch heute essen wir auswärts. Captain Jacob, der in Atlantic City notdürftig unsere Propellerwelle abdichtete, hatte uns Coin Jock Marina und Restaurant empfohlen – wir sind seither zirka 300 Meilen gereist. Das Abendessen war himmlisch, ich habe mich in Austern Rockefeller Art verliebt und drei Stücke Kuchen zu teilen, entpuppte sich als eine geniale Idee.

Nach einer Brücke öffnete sich der Kanal zu einer weiten Lagune, den Abermarle Sound, für die wir fast den ganzen Tag brauchten, um sie zu überqueren. Der arme Reto sass fast den ganzen Tag am Steuer, weil ich so vertieft in mein Buch war. Obwohl das fast schwarze Wasser neben dem Kanal nur zwei Meter tief war, fühlte ich mich wie auf dem Ozean. Nur ganz klein am Horizont waren die spitzen von Bäumen und Büschen zu erkennen. Zwischen Untiefen hindurch erreichten wir den Alligator River, wo uns wieder einmal eine Schwingbrücke geöffnet werden musste. Erst bei Sonnenuntergang warfen wir den Anker.

Über dem Kanal, der den Pungo River mit dem Alligator River verbindet, kreisten Adler und einmal erblickten wir eine Rotte Wildschweine. Alligatoren sahen wir keine. Aber Reto war nicht geistesgegenwärtig genug um langsamer zu fahren, daher sind auf den Fotos nur Büsche zu sehen. Er lachte darüber, dass ihn die Gegend ausgerechnet an die Limmat erinnerte. Durch den Kanal kamen wir schnell voran und erreichten die touristische Ortschaft Belhaven schon am frühen Abend. Eigentlich wollten wir Budget-schonend am Gratis Pier schlafen, aber nachdem wir in der Marina getankt hatten, wollte Reto nicht mehr den Liegeplatz wechseln. So kamen wir aber zu einem gut genutzten Abend: Die Marina stellte uns einen Golf-Kart zur Verfügung mit dem wir an der Tankstelle unsere Propantanks füllten. Nach einem Abstecher zum Hardware Store, tranken wir bei Sonnenuntergang Kaffee auf der Veranda. Und dank Dusche und Waschmaschine sind Reto, ich und unsere Kleider alle wieder sauber. Ich finde übrigens nicht, dass der Kanal der Limmat ähnelt – an der Limmat gibt es sicher keine Pelikane!