Piraten in Beaufort

Was mein freier Tag hätte sein sollen, wurde ein Trip zum Museum. Vormittags setzten wir uns für die Planungsarbeit in die Captains Lounge der Yacht Basin Marina. Reto studierte Wetterberichte und machte Routenplanung, während ich Blogbeiträge schrieb. Bloggen ist leider sehr Zeitintensiv. Noch dazu war ich abgelenkt vom Bücherregal: Ich hatte eine Buchserie für Kinder entdeckt, wunderschön illustriert, und das erste, das ich aufschlug, liess mich nicht mehr los. «A Bell for Ursli» stand zuoberst im Inhaltsverzeichnis. Ich staunte nicht schlecht als ich weiterblätterte und die Originalbilder aus dem Kinderbuch vorfand. Ich hätte fast zu weinen begonnen, so schön war es ausgerechnet den Schellenursli zu treffen. Als ich auf dem nächsten Band der Serie Willhelm Tell auf dem Buchrücken sah, hätte ich die Bücher fast geklaut. Aber ich konnte mich beherrschen und schrieb sehr abgelenkt meine Blog-Beiträge. Zum Glück jammerte Reto nach Essen, sobald ich fertig war, sonst hätte ich es mir womöglich anders überlegt.

Nach einem späten «Zmittag» hatten wir ursprünglich einen ausflug auf die kleine Insel gegenüber der Marina geplant, aber statt das Dinghy ins Wasser zu lassen bestellten wir einen Uber. Eine ältere Dame fuhr uns ins benachbarte Beaufort, wo sie uns beim Maritime Museum absetzte. Weil wir nicht wussten, dass dieses Museum Gratis war, sahen wir uns darin etwas verwirrt nach der Kasse um. So kamen wir ins Gespräch mit Bill Martin, einem Volunteer: Wir waren zufällig in die grösste Sammlung von Fundstücken des Piratenschiffs Queen Anne’s Revange gestolpert. Blackbeard hatte es 1718 vor Beaufort auf eine Sandbank gesetzt, als er die Ortschaft überfallen wollte. So lag das Piratenschiff, von dem ich mich zum Namen von Salls Schiff in Höllenhunde inspirieren liess, für Jahrhunderte im Beaufort Inlet, während Blackbeard auf einer kleinen Pinasse nur mit einer Kiste Medizin als Beute das Weite suchte. Bewundernd bestaunte ich die Kristallgläser, Nägel, Vorderladerkugeln und selbst eine Kanone, die Taucher aus den Resten des Wracks geborgen hatten. In der Maritimen Bibliothek hätte ich Reto eine Woche verstauen können, während ich das Skelett des Spermwals grandios fand. Den Videoraum fand ich besonders cool, denn wie sich herausstellte, gibt es schon seit den 50ern viele Piratenfilme mit Frauen in der Hauptrolle, wobei die gespielten Geschichten allerdings angeblich zu Wünschen übrig liessen. Reto hatte derweil Mister Martin um den Finger gewickelt und unser Besuch im Museum endete mit einem Ausflug auf die NICHT öffentliche Dachterrasse, wo wir einen Vortrag über die Inseln vor Beaufort bekamen. Auf der äussersten wohnt die einzige, unveränderte Herde Spanischer Pferde, wie sie vor vierhundert Jahren von den Spaniern ausgesetzt wurde. Manchmal verschlägt es uns aber auch an unangenehme Orte. Nach dem Museum verschlug es uns in eine Bar, in der mir einfach nicht wohl war. Ich war richtig froh fürs Abendessen wieder in Sea Chanteys Kombüse klettern zu dürfen, anstatt auswärts zu gehen.

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