Wo Schweine schwimmen

Wir segelten langsam und gemächlich nach Big Mayor Spot und genossen endlich die Benutzung des Fliegers drauf zu haben. Big Mayor Spot, die Insel gleich nördlich von der Ortschaft Staniel Cay, ist nach Georgetown der meistbesuchte Ankerplatz der Exumas. Vor dem Pig Beach, wo die schwimmenden Schweine wohnen, ankern in der Hochsaison bis zu achtzig Boote aller Grössen. Dank Corona ankerten nur zehn, als wir die Segel einholten und uns ein Plätzchen suchten. Wir warfen Anker zwischen dem Pig Beach, an den alle Touristen wollen, und dem Cruisers Beach, der abends von den «durchschnittlichen» Bootsbesitzern genutzt wird, die nicht täglich Champanger auf ihren Megajachten trinken. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass uns dieser Cruisers Beach für fast eine Woche magisch festhalten würde.

Wir standen am Folgetag früh auf, denn wir wollten die Thunderball Cave bei Ebbentiefstand morgens um Acht besichtigen. Ja, es handelt sich um die Höhle, die im James-Bond-Film Thunderball auftaucht und deshalb ein Mega-Touristenmagnet ist. Nachdem Reto uns die zwei Meilen rund um das Südende von Big Mayor Spot gerudert hatte, waren wir das zweite Boot vor dem Höhleneingang. Acht Touristen schnorchelten schon durch den Tunnel mit der grossen runden Höhle in der Mitte. Wieder begrüssten uns die frechen, getigerten Fische, als wir ins Wasser sprangen. Wir schwammen durch den Tunnel und erkundeten jede Ecke der Höhle, ohne dass sich zehn Taucher untereinander im Weg waren. Die dreissig Taucher in der Hochsaison – also jetzt, nur ohne Corona – hätte ich aber nicht erleben wollen. Reto, der selbst mit Schnorchel schon ganz ordentlich tauchen kann, verliess die Höhle durch einen versteckten Ausgang, während ich den «Touristenausgang» verwendete. Das Riff rund um die Höhle wurde nur von uns beschnorchelt, während Tourboot 1 das weite suchte und das nächste mit zwei Familien Anker warf. Als ich den Feuerfisch entdeckte, hielt auch ich es für an der Zeit zum Dinghy zurückzukehren. Die Feuerfische wären eigentlich im Pazifik rund um Australien heimisch, wurden aber von Aquariumbesitzern in die Bahamas verschleppt, wo sie nun einige heimische Fischsorten zu verdrängen beginnen. Um dem entgegenzuwirken wird er hier als Speisefisch beworben, damit die Fischer ihn fangen und verkaufen, wegen der Giftstacheln lassen die Einheimischen aber die Finger davon. Daher essen wir weiterhin Snapper im Restaurant statt Feuerfisch.

Auf dem Rückweg hielten wir beim Pig Beach an. Auch hier lagen schon Boote mit Touristen im seichten Wasser und die Touristen standen mit Futter am Strand. Eigentlich waren diese Schweine berühmt dafür zu den Booten zu schwimmen um gefüttert zu werden, aber hier bewies sich, dass Schweine schlau sind: Die Schweine haben längst gemerkt, dass die Touristen sie auch am Strand füttern, wenn sie nur lange genug warten. Warum also schwimmen, wenn man bequem im kühlen Wasser sitzen kann? Ich versuchte für geraume Zeit ein grosses, geflecktes Schwein zum Schwimmen zu bewegen, musste aber aufgeben, weil ich keine Kartoffeln mehr hatte. Stattdessen fütterte ich die niedlichen Ferkel mit Erdbeerabschnitten und Mangoschale, die mir der Schweinepfleger gab. Fünf kleine Ferkel, vier rosa mit blonden Borsten, eines vorne und hinten braun mit rosa Bauch und Rücken, liessen sich trotz Futter nicht vernünftig fotografieren – immer wenn das Handy in ihre Nähe kam, stürzten sie sich darauf, um es zu fressen! Interessanter als die Schweine, war es die Touristen zu beobachten: Viele hatten offenbar keine Erfahrungen mit Tieren und wurden regelrecht über den Strand gejagt. Keiner hatte Erfolg damit, ein Schwein zum schwimmen zu bewegen! Wir verliessen bald den Kinderzoo, weil es uns zu doof wurde mit Schweinen und Touristen.

Abends machten wir am Cruisers Beach neue Bekanntschaften.

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