Eine Höhle für Höllenhunde

Der nächste Trip brachte uns nur wenige Meilen nach Südosten, wo wir in der Bucht einer Insel ankerten, die aussieht wie ein eckiges U-Profil. Wir brauchten zwei Versuche bis der Anker sass und fühlten uns damit nicht ganz sicher, aber wir wollten nur für ein paar Stunden zu den grossen Felsen rudern und gegebenenfalls irgendwo anders die Nacht verbringen. Schnorchel-Equipment und Wasser wanderten ins Dinghy, bevor Reto uns zu den zwei hohen, felsigen Inseln brachte. Es war windig und wellig, unsere Alinaza wurde geschüttelt und das Wasser schlug tosend gegen die Felsen. Rock Dundas werden sie genannt und sind bekannt für ihre Brandungshöhlen. Das Wasser frisst über Jahrhunderte grosse Höhlen aus dem Kalkgestein, die jetzt von Schwimmern erreicht werden können. Bei den grössten, sind zumeist Deckenteile eingestürzt, weshalb Lichtkegel in sie hinabfallen. Reto stürzte sich zuerst in die Wellen und schnorchelte das Riff vor den Felsen. Ich beobachtete ihn aus dem schaukelnden Dinghy und mir wurde ganz mulmig, als er schliesslich in einer Felsspalte verschwand, die da wir Flut hatten keinen Meter breit und keine 50 cm hoch war. Aber Reto ist einer der besten Schwimmer, die mir bekannt sind und natürlich tauchte er sicher wieder auf. Er schnorchelte den Felsen entlang, blieb an einem Ort plötzlich halten, holte Luft und weg war er! Er tauchte in eine Höhle, deren Eingang bei Flut komplett unter Wasser ist und für mich unsichtbar war. Und ich? Ich wartete, und wartete in meinem schaukelnden Dinghy. Die drei, vier Minuten, während Reto in der Höhle war, kamen mir sehr, sehr lange vor. Aber schliesslich tauchte er putzmunter wieder auf, kam zum Dinghy und erzählte mir von der tollen Höhle. «Und wie die Wellen da drinnen tosen, Stefy. Es ist schon ein komisches Gefühl, aber die Höhle ist riesig!» Nun durfte auch ich auf Entdeckung gehen – Fische, Korallen, eine riesige Elkhorn Coral, sicher zwei Meter im Durchmesser und nur einen Meter unter Wasser! Aber ich trieb sicher fünf Minuten vor dem Eingang der ersten Höhle, um mich schliesslich abzuwenden, weil ich mich nicht traute hinein zu schwimmen. Ich hatte Angst mir den Kopf zu stossen, obwohl der Eingang genug Platz bot und in die andere Höhle hinein zu tauchen war mir weiss Gott zu unheimlich. Reto fand meine Vorsicht herzig. Er versprach, dass wir bei Ebbe wiederkommen würden, kletterte aber wieder ins Wasser. Mir voraus, schwamm er in die Höhle mit dem grösseren Eingang, damit ich ihm nachschwimmen konnte. Mensch, war mir das peinlich – weltbesegelnde Schriftstellerin von Abenteuerromanen traut sich nicht alleine in eine ungefährliche Höhle zu schwimmen! Es wurde noch ärgerlicher, als ich feststellte, was ich fast verpasst hätte: Die Höhle war so gross, wie das Kirchenschiff unserer Loreto-Kapelle auf dem Achenberg und ein Lichtkegel fiel auf die Mitte herab. Wie in meinem Roman in der Schatzhöhle hatte diese einen Absatz und war hinten höher, jedoch war die Höhle knietief geflutet. Ich kletterte mit einer Welle auf den Absatz und spazierte staunend in der Höhle umher, Reto diesmal mir hinterher. Wir betrachteten die Tropfsteine und ich posierte lustig im Lichtkegel, wie im Licht eines Scheinwerfers – und wieder gibt es keine Fotos, weil wir keine wasserdichte Kamera haben! Unsere Forschungen ergaben anhand der toten Korallen auf dem Boden und an den Wänden, dass die Höhle eins mehr mit Wasser gefüllt gewesen war. Sogar ein frecher kleiner, lila oranger Fisch hatte sich in die Höhle verirrt. Die zweite Höhle sparten wir uns für die Ebbe auf.

Illustration der Schatzhöhle aus „Höllenhunde“

Als wir zurückruderten ankerte neben Sea Chantey bereit ein Motorkatamaran. Die Brixter war auf dem Rückweg nach Florida und hatte sich den gleichen Ankerplatz ausgesucht. Ein kurzes Gespräch brachte heraus, dass Karen und Steve uns in Big Major Spot bei ihren Bootsfreunden angemeldet hatten, was uns eine Freikarte in die Cruiser Comunity werden könnte. Nicht, dass es die bräuchte, aber ist es nicht schön, wenn jemand nach einem Ausschau hält? Da sie bei Ebbe die Höhlen schnorcheln wollten, nahmen sie uns einige Stunden später in ihrem motorisierten Tender mit. Das Wasser und der Wind waren ruhiger geworden und es war keine Sache mehr durch die riesigen Höhleneingänge zu schwimmen. Karen schwamm dennoch in keine hinein. Zum Glück hatte Reto mich bei Flut in die Höhlen geführt, bei Ebbe waren sie nicht annähernd so spektakulär! Die Brixters schenkten uns ausserdem eine zweite Taucherbrille, damit wir nicht immer abwechselnd schnorcheln müssen.

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