Über den Wolken von Titusville

In zwei Tagesetappen durch Delfin bevölkerte Lagunen und von Fischern überfüllten Kanäle erreichten wir Titusville. Die mittelgrosse Stadt wir von der Merritt Island und Cape Canaveral von der Küste getrennt und hat ausser dem Astronaut Memorial Park kaum nennenswerte Sehenswürdigkeiten.  Für uns hat sie jedoch Erinnerungswert, denn Reto hat hier 2012 die Sea Witch begutachtet. Als ich in die Lehre kam, begannen wir zum ersten Mal von dieser Reise zu sprechen und Reto machte sich auf die Suche nach dem richtigen Schiff. Eine Sea Witch, wie das Modell unseres Angleman Ketch genannt wird, wäre das passende Schiff für ihn, weshalb er Rumpfnummer 1 – das 1939 gebaute Original – unbedingt sehen musste. Diese stand zum Verkauf, aber Sea Witch war in einem so desolaten Zustand, dass Reto sie nicht kaufen wollte. Nun reisen wir eben auf Sea Witchs zweitjüngster Schwester Sea Chantey. Wie wir einige Tage später herausfanden, liegt das Original noch immer in desolatem Zustand in Port Canaveral.

Ausnahmsweise funkte Reto die Marina an und ich durfte Sea Chantey an die Mooring-Boje Nummer 1 fahren. Entsprechend der Erfahrung der Steuerfrau haben wir schon eleganter angelegt. Etwas zu unserem Verdruss war Boje 1, die am nächsten zum Hafenbecken gelegen war, immer noch eine Viertelstunde rudern entfernt. Reto brachte uns mit voller Kraft an Land. Nach dem Besuch im Hafenbüro und einem kurzen Fussmarsch zur «Altstadt» musste ich feststellen, dass es in Titusville nicht viel zu sehen gab. Viele Geschäfte standen leer und auf den Strassen war kaum jemand unterwegs. Als unser Spaziergang am Feuerwehr Depot vorbeiführte, sahen wir durch das Garagentor ein wunderschönes, altes Spritzenfahrzeug. Reto fragte, wie er es eben tut, sehr höflich, ob wir es uns ansehen dürfen und schon hatten wir eine Traube Feuerwehrleute um uns, die uns so spannend fanden, wie wir ihr Fahrzeug. Ein Modell von 1935, wie uns der Hauptmann erklärte, von ihrem Depot verkauft und nach der Restauration wieder zurückgekauft. Dafür erzählten wir wieder einmal von unserer Reise. Aber wir wollten nicht lange stören und verzogen uns in die Brauerei.

Die Hausarbeit musste erledigt werden, bevor wir auf Entdeckung gehen konnten, daher war es schon Nachmittag als wir auf dem Weg in die Stadt bei einer Bootswerkstatt hereinschauten. Reto wollte Karten von den Bahamas besorgen, stattdessen fanden wir aber, was wir für unmöglich hielten: Genau diesen kleinen Filter aus der Dieselpumpe, den wir nach Merritt Island bestellt hatten. Wir waren um einen seltenen Filter reicher, als wir vom Uber im «Warbird Museum» abgesetzt wurden. Auch hier war Reto schon 2012 gewesen, aber er freute sich dennoch auf die fliegenden Kriegsmaschinen. Die Kassiererin teilte uns, ohne uns zu fragen, in Alen’s Tour ein, die schon vor ein paar Minuten begonnen hatte. Wir trabten durch den Hangar auf den ehemaligen Flughafen hinaus und trafen in einer DC-3 (C-47) auf unsere Tour. Alen war ein pensionierter Geschichtslehrer, in dessen Familie es einige Militärpiloten gegeben hatte, weshalb er nun neben einigen pensionierten Luftwaffenpiloten im Warbird Museum Führungen leitet. Eine seiner ehemaligen Schülerinnen, nun selbst Geschichtslehrerin, war ebenso Museumsbesucher wie wir. Zwei von drei Zuhörern entpuppten sich als Ausländer: Marischa (sicherlich völlig falsch geschrieben) aus Ungarn und Philip aus Russland. Diese hatten ihre eigene Meinung zu Kriegsflugzeugen und Weltkriegsgeschichte, wobei alle an den Weltkriegen beteiligten Nationen bei ihren Sprüchen einmal drunter kamen. Reto und ich amüsierten uns köstlich über ihre Kommentare und wir plauderten auch nach der Führung noch eine Weile. Auch dieses Museum schloss mit ein paar Minuten Verspätung, weil wir den Museumsshop erst bei Feierabend erreichten.

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