Mit Atlantis zu den Sternen

Zwei gute Gründe um ein Auto zu mieten, sind: Ersatzteile besorgen und zum Space Center fahren. Deshalb mieteten wir am 4. März eine rote Hyundai-Limousine und trugen mich als Fahrerin ein. Wir fuhren einen kleinen Umweg durch das verwirrende Strassennetz, fanden dann aber die richtige Brücke nach Cape Canaveral. Fast direkt von der Autobahn biegt man auf die Zufahrt zum schier endlosen Parkplatz des NASA Visitor Center. Wir parkten in Feld 5 von mindestens 20 und schluckten beim Gedanken, dass dieser Parkplatz im Sommer immer voll war. Durch den Ticketautomaten und die Sicherheitskontrolle gelangten wir rasch in das Visitor Center, das fast einem Vergnügungspark nahe kommt und sich mit den Eintrittsgeldern selbst finanziert. Es war ein heisser Tag, doch in den Gebäuden brauchte ich eine Jacke. Die Ausstellung zum Naturschutzgebiet, welches sich als Pufferzone rund um das NASA Areal erstreckt, hatten wir bald gesehen, worauf wir uns einer Führung durch den «Raketengarten» anschlossen. Hier sind bis auf eine einzige, nur die Originale der Raketen aus den vergangen Space Programmen ausgestellt – eine angeblich sogar funktionstüchtig. Reto verschaffte uns wieder einmal eine Privatführung, weshalb wir von einem Parkangestellten die Funktion eines Raketentriebwerks erklärt bekamen. Das dieses von seinem Treibstoff gekühlt und vor dem Schmelzen bewahrt wird, empfanden wir als genial.

Nach einem frühen Mittagessen stürzten wir uns in die Marsexpedition. Diese war besonders auf die noch ungelösten Probleme einer Reise zum Mars ausgelegt. Mit einer aufwändigen Videopräsentation und diversen Spielen warb die Ausstellung um die zukünftigen NASA Mitarbeiter. Ziel der Ausstellung war es den Nachwuchs der Raumfahrt zu sichern und den potentiellen Ingenieuren und Weltraumforschern gleichzeitig eine Idee zu geben, auf welche sie hinarbeiten könnten um am Marsprojekt mitwirken zu können. Reto und ich erfreuten uns aber fast mehr an den Videospielen als die Kinder, den diese waren durchaus anspruchsvoll. Dennoch setzte Reto den Tages-Highscore im Andocken an eine Raumstation, während ich eine ganz ordentliche Mondlandung zuwege leitete. Danach dachte ich, das Space Center gesehen zu haben, aber Reto führte mich in ein weiteres Gebäude mit einer Lichtjahre-langen Schlange. Ich war drauf und dran wieder zu gehen, als sich die Tore der Ausstellung öffneten und die ganze Schlange samt uns in einen Kinosaal verschwand. Uns wurde ein Einführungsfilm über die Entwicklung eines Space Shuttles gezeigt, dann wurden wir in einen weiteren Kinosaal geführt. Hier zeigte man uns einen Film über die Schaffenszeit des Space Shuttles Atlantis. An dessen Ende wurde Leinwand durchsichtig und gab den Blick auf das echte Space Shuttle frei. Einen Moment liess die Inszenierung die Zuschauer staunen. Gerade als ich mich fragte, ob wir Atlantis nur vom Nebenraum aus betrachten durften, wurde die Leinwand wie ein Rollladen hinaufgezogen. Die entzückte Zuschauerschaft schritt dem Space Shuttle in den riesigen Ausstellungssaal entgegen. Ich konnte mich kaum satt sehen und las fast alle Hinweistafeln. Die Spiele in dieser Ausstellung funktionierten leider nicht richtig, dafür konnten die Besucher über eine Rutschbahn ins Parterre gleiten, wie bei einer Shuttle-Landung. Im Parterre spielten wir «Lande das Shuttle» und betrachteten die Ausstellungen, bevor wir uns durch den Shop nach draussen kämpften. Durch einen weiteren Shop wollten wir den Glace-Stand erreichen, doch Reto blieb stehen: Autogramm von einem Astronauten, stand auf dem Schild, heute: Heidemarie Stefanyshyn-Piper. Türöffnung war erst in einer Stunde, weshalb wir die Zeit totschlagen wollten. Nach dem Glace machte ich einige Schritte auf den Piezofeldern, die zu Planeten angeordnet auf dem Boden angebracht waren. Immer nach einer gewissen Anzahl schritte, ertönte durch alle Lautsprecher die Geräuschkulisse eines Raketenstarts, ich freute mich vor allem über eine gute Begründung mit ein wenig zu bewegen. Weil es so heiss war, verzogen wir uns bald in ein Gebäude, in dem wir einen Kinosaal fanden. Dank des Films über die Apollomissionen vergassen wir die Zeit. Als ich vor der Wartelinie des Autogrammraums ankam, stand dort schon ein Schild: Autogramm eines Astronauten Geschlossen. Ein kleines bisschen enttäuschte es mich, kein Autogramm mit der Aufschrift «Für Stefanie von Stefanyshyn-Piper» mit nach Hause zu nehmen, aber Reto schien es sehr leid zu tun, denn er hatte uns in den Film gelotst. Meiner Meinung nach war es dennoch ein super Ausflug gewesen. So super, dass wir vergassen unsere Ersatzteile in der Ortschaft Merritt Island zu holen.

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