Sheet Harbour

… entpuppte sich als hübsche Ortschaft, mit allem was ein Segler braucht. Bewaffnet mit unseren Badeutensilien und Kleidern zum Wechseln begaben wir uns im Dinghy an Land und fragten im nächst besten Hotel nach einer Dusche. Der Concierge des Motels «Fairwinds» überlegte einen Moment, huschte dann davon und kehrte einige Minuten später zurück. Er drückte mir einen Schlüssel mit Aufschrift Zimmer 1 in die Hand und meinte, wir sollen ihm melden, falls wir das Bett berührten. Was es denn koste? …Nichts. Wir hinterliessen also ein sauberes Trinkgeld.

Nach einigen Minuten Fussmarsch betrachteten wir den Wasserfall von oben. Von den Brücken aus konnten wir wunderbar die Bucht mit Sea Chantey in der Mitte übersehen. Über beide Brücken und entlang dem erstaunlich braunen Fluss verlief ein Fussweg, auf dem wir uns wie in den Schweizer Bergen fühlten mit den Tannen, schmalen Wegen und rauen Steinen. Auch lag das geschlossene Visitor Center am Fussweg, wo wir uns über Sheet Harbour schlau machten: Hier wurden Jahrhunderte zuvor Lachse gefischt und Stämme geflösst, deren Holz nach England exportiert wurde, bevor 1920 eine Sägerei und später eine Papiermühle entstand. Die Verschmutzung durch Schwefel riecht man in der Bucht noch heute, obwohl seit Jahrzehnten keine Papiermühle mehr steht.

Wir stockten unsere Vorräte auf, welche samt uns von einer freundlichen Dame zum Dinghy gefahren wurden, und verstauten alles auf dem Boot. Reto musste wegen des zusätzlichen Volumens zwei Mal vom Ufer zu Sea Chantey rudern, um alles an Bord zu bekommen. Und nun ruderte Reto Richard und mich wieder an Land: Wir mussten den Bier-Vorrat aufstocken. So bestellten wir in der Bar des Henley House jede Sorte des selbstgebrauten Biers in Probiergrösse. Die Tochter des Pub-Besitzers hatte in Wales brauen gelernt und betriebt nun im Anbau die Sober Island Brewery. Wir plauderten mit dem Bruder der Brauermeisterin und kauften bald genug Bier um einen Harras und ein paar Socken geschenkt zu bekommen. Da es inzwischen zu spät war, um im «Fairwinds» zu Abend zu essen, kehrten wir ins Henley House zurück. Belustigt meinte unser Verkäufer, als er sagte «See you soon» hätte er uns nicht so bald wieder erwartet. So kamen wir aber zur Geschichte des Namens der Brauerei. Es gibt die Legende, dass einst Piraten wegen ihrer Trunkenheit auf Sober Island aufliefen und strandeten, welches nahe Sheet Harbour liegt. Als sie wieder von dort wegkamen, waren alle nüchtern – eben sober.

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