Die leuchtenden Buchten von Cape Breton

Mit starkem Nordwestwind brachen wir nach Little Basin auf: Selbst unter voller Motorleistung brachte Sea Chantey mit Seitenwind nur 2.5 Knoten. Mitten im Canso Causeway setzten wir den Klüver und liessen uns mit Rückenwind aus dem Kanal ziehen. Allein mit dem Vordersten Segel machten wir 5.5 Knoten, was schon fast Sea Chantey’s Rumpfgeschwindigkeit ist. Dazu hatten wir strahlenden Sonnenschein. Eigentlich hatten wir auch das Besansegel setzten wollen sobald wir den Kurs wechselten, aber unser Ketsch zog so schön, dass wir es bleiben liessen. Little Basin, eine Bucht zwischen einigen Inseln nördlich der Isle Madame erreichten wir in kürzester Zeit. Hinter einer kleinen Insel warfen wir Anker in idyllischer Einsamkeit. Hier konnte ich ungestört die Holzperlen an der Gaffel montieren, womit nun auch das Grosssegel wieder einsatzbereit war. Zu zweit rüsteten wir die Kojen mit Netzen aus, die wir nun diverse Dinge verstauen konnten. Nach dem Abendessen wollte ich eigentlich in Frieden schreiben, aber Reto holte mich an Deck. Die Sterne spiegelten sich im flachen Wasser und es plätscherte, wenn die Fische dicht unter der Wasseroberfläche schwammen. Romantisch, aber mir war es zu frisch, weshalb ich wieder unter Deck ging – nur um kurz darauf wieder an Deck gerufen zu werden. Reto hatte das Deck spülen wollen und dabei Leuchtplankton entdeckt. Wenn der Eimer das Wasser in Bewegung versetzte begann das Plankton als kleine, blaue Fünkchen zu leuchten. Dabei sahen die Funken aus wie Glühwürmchen im Wasser, die auseinanderstoben und einen Moment glitzerten, ehe sie verschwanden. Wir spielten eine Weile mit dem Eimer im Wasser und betrachteten, was aussah wie Spiegelung von blauem Feuerwerk. Wir zogen einen Eimer voll an Bord und ich rührte mit einem Holzlöffel darin auch im Eimer funkelte die Sternschnuppensuppe. Irgendwann trieb uns die Kälte unter die Bettdecke.

die fertige Gaffel

Am Tag danach hatten wir allerschönstes Wetter, kaum Wind und klaren Sonnenschein. Sea Chantey lag fast bewegungslos auf der spiegelglatten Bucht. Wir machten deshalb das Dinghy klar und Reto ruderte uns nach Round Island, das uns vor dem Nordwind schützte. Alianza liessen wir zurück, festgemacht an einem Felsen. Dem Ufer entlang erkundeten wir die Insel, bis wir jeweils nicht weiterkamen, weil das Ufer zu unwegsam war. Ins Innere konnten wir nicht vordringen, da die Vegetation, lauter kleine Tannen, zu dicht war. Das Ufer bestand aus flachen Steinen jeder Grösse, mal Kies, mal grosse Brocken. Ich konnte es mir nicht verkneifen einen Turm daraus zu bauen, bevor wir von Round Island aus auf die grössere Insel ruderten, wobei ich kläglich feststellte, wie schlecht ich pullen kann. Aber wir erreichten den Kiesstrand, an dem wir kurz darauf entlangspazierten. Die Runde blieb aber kurz, denn wir wurden von Mücken geradezu angefallen und flüchteten auf unser Boot.

mein Steinturm – kindisch, oder?

Nun gingen wir an die Arbeit: Reto riggte den Bootsmannstuhl. Am Grossfall, mit dem normalerweise das Grosssegel gesetzt wird, zog er mich am Mast hoch. An einer Stelle am Mast war der Lack abgeblättert, weil ein herausstehender Nagel der Gaffelgabel ihn aufgekratzt hatte. Bewaffnet mit Schleifschwämmen sollte ich nun den Lack abschleifen, dann reinigen und die Stelle neu malen, wobei Reto mich jedes Mal mit dem neuen Material am Mast hochzog. Ich hatte schon etwas Muffensausen als ich nur gehalten von einem Seil, einer Rolle und Retos Körperkraft nach dem Himmel fuhr. Bis der Lack aufgetragen war fühlte ich mich aber so wohl am Mast, dass ich eine Dose Bier vermisste. Aber der angerührte Lack musste aufgebraucht werden, weshalb wir den Rest des Tages verschiedenste Orte lackierten.

Blick von oben

Das leuchten im Wasser konnte noch so schön sein, wir zogen weiter. Begleitet von einem Adler verliessen wir an einem regnerischen Morgen bei starkem, böigen Wind Little Basin. Vom Klüver liessen wir uns nach Janvrin Harbour ziehen. Unterwegs beobachteten wir Robben, oder wurden von Robben beobachtet? Einige guckten zu wie Sea Chantey die Bojen passierte. Im Harbour südlich von Janvrin Island gingen wir vor Anker uns lagen erstaunlich ruhig. Da unsere Bugspriet-Konstruktion und die Ankerkette an einander reiben wenn wir vor Anker liegen kam uns nun die glorreiche Idee: Um die Stahlseile zu schützen zogen wir mit einem Seil die Ankerkette in eine Position direkt unter dem Bugspriet. Diese Idee bewährte sich später viele Male.

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